Warum fremdeln Kinder?

Manche Kinder wollen immer nur bei ihren Eltern sein und ganz besonders bei ihrer Mama. Sie weigern sich hartnäckig auf den Arm von  Oma, Opa, Tante oder Onkel zu gehen. Beim Anblick Fremder bricht bei den Kleinen dann panisches Gebrüll aus, was lt. einem Kinderarzt und Kinderpsychologen ein „richtig gutes Zeichen“ ist, denn das zeigt, dass das Kind sicher an seine Bezugsperson (en) gebunden ist. Es hat Angst vor fremden Personen. Gut so Baby!

Fremdelphasen bei Kindern sind ein wichtiger Entwicklungsschritt

Warum fremdeln Kinder?

Fremdeln ist ein wichtiger Entwicklungsschritt bei Kindern

Bei manchen Kindern beginnt die Fremdelphase bereits mit drei, vier Monaten, bei den meisten Babys aber erst im Alter zwischen sechs und acht Monaten. Es geschieht ganz plötzlich und das Baby wendet sich ab, es vergräbt sich an Papas oder Mamas Schulter. Manche Kinder fangen an zu weinen, versteifen sich und starren die für sie fremde Person nur noch an. Diese Anwandlung hat nichts mit Schüchternheit und schon gar nichts mit der Erziehung zu tun, sondern ist völlig normal und dazu noch ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Babys.

Das Fremdeln hat einen Hintergrund: Babys machen in ihrer Wahrnehmung schnelle Fortschritte und können lt. Aussage eines Kinderarztes ab ca. drei Monaten unterscheiden, welche Personen ihnen vertraut und nicht vertraut sind. Logischerweise lächelt ein Baby dann nicht mehr jeden Menschen an, der ihm zu nahe kommt.
Experten vermuten, dass sich im Laufe der ersten Lebensmonate ein Band zwischen Eltern und Kindern bildet indem sich das Baby in diesem Zeitraum an den Duft, die Stimme bzw. Sprache, den Anblick und an die Gesten der Eltern gewöhnt hat. Jemand Fremdes passt jetzt ganz und gar nicht in die Welt des Kleinen. So erkennt das Kind den Unterschied zwischen Vertrauenspersonen und solchen Personen, die es noch nicht einschätzen kann.
Psychologen sehen Fremdeln auch als eine von Natur aus gegebene Kindersicherung, denn Babys werden ja zunehmend mobiler, sie beginnen zu krabbeln, dann zu stehen und zu gehen. Durch Fremdeln wird der Bewegungsbereich eingegrenzt und die Kleinen achten darauf, dass sie in der Nähe der Eltern bleiben.

Wenn sich Babys dem Besuch gegenüber abweisend verhalten ist dies den Eltern oftmals peinlich. Die Kinder sollten jedoch nicht gezwungen werden mit den für sie Unvertrauten Kontakt aufzunehmen, wenn sie es nicht selbst möchten, so die Aussage des Psychologen.
Es gibt Eltern die glauben ihre Kinder würden sich schneller an den Umgang mit fremden Personen gewöhnen, indem sie die Kleinen trotz Widerstand dazu zwingen dem Onkel die Hand zu geben oder von der Tante auf den Arm genommen zu werden. Der Kinderarzt rät davon ab. Man sollte das Kind trösten, wenn es weint, weil es Angst vor dem Besuch hat, erklärt er.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Der gesunde Respekt vor Unvertrauten – und dazu gehören in Babys heiler Welt manchmal auch Verwandte – wird nun erst langsam eingeübt und für die Zukunft beibehalten. Das braucht eben alles seine Zeit.
So entsteht bei den Kindern gleichzeitig ein dauerhafter innerer Schutzmechanismus, welcher auch zum Vorschein kommt, wenn die Kinder größer werden, dadurch sind sie besser vor Übergriffen Fremder geschützt. Ein weiterer wichtiger Grund die Sicherheitszone der Sprösslinge zu respektieren. Wenn Eltern mit den Ängsten ihrer Babys einfühlsam umgehen und deren dementsprechendes Verhalten akzeptieren, lernen die Kinder, dass ihre Bedürfnisse wichtig sind und sie ernst genommen werden.
Lt. des Psychologen hilft dieses rücksichtsvolle Verhalten den Kleinen, die Fremdelphase schneller und einfacher zu überwinden. Es sorgt auch dafür, dass die Babys ein gutes Bindungsverhalten und ein großes Vertrauen zu Mama und Papa entwickeln – wovon sie das ganze Leben lang profitieren.
Die extreme Ängstlichkeit verschwindet sowieso nach ein paar Monaten, denn dann siegt die Neugier. Trotzdem kommen immer wieder Phasen, wo sich das Kind erneut ängstigt. Beispielsweise wenn es zum ersten Mal in die Kita geht oder bei Oma und Opa übernachten soll. Kinder die ihren Eltern gegenüber volles Vertrauen haben kommen in solchen Situationen besser zurecht.

Manche Kleinkinder machen mit ca. eineinhalb Jahren eine erneute Fremdelphase durch. Der Kinderpsychotherapeut erklärt, dass die ein ganz normaler Prozess in der Entwicklung eines Kindes ist. Nun merkt es nämlich so langsam, das es keine Einheit mit seiner Mama ist, sondern ein eigenständiges kleines Persönchen. Eine neue und interessante, aber auch verunsichernde Erfahrung für das Kind.
Aus diesem Grund taucht bei manchen Kindern noch mal eine Angstphase auf. Nun sind die Eltern erneut gefördert und sollten ihrem Nachwuchs mit viel Liebe, Geduld und Verständnis über diese Furchtphase hinweghelfen, es trösten und ihm ein Gefühl der Sicherheit geben. Diese Fremdelphase ist dann innerhalb ein paar Tage oder Wochen ausgestanden.

Nur wenn Kinder überhaupt nicht über die Ängstlichkeit hinwegkommen oder nie fremdeln sollten Eltern hellhörig werden, jedoch kommen beide Situationen höchst selten vor. Falls doch, könnten dies Anzeichen für eine Bindungs- oder Entwicklungsstörung sein, etwa Autismus.

 

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Meine enkelin will nicht mehr zu mir ! Sie will nur mehr zu hause sein , sie ist 21/2 jahre alt u geht seit kurzen in die kita! Obwohl ich sie seit ihrem babyalter jedes wochenende bei mir hatte , ill sie jetzt nicht zu mir ! Was können wir tun ? Es tut mir im herzen weh weil ich wie eine fremde für sie bin!

gina schrieb am 6. Januar 2015