Die Pubertät als wichtiger Entwicklungsbaustein

Die Pubertät ist eine Achterbahnfahrt. Die Hormone machen Feuerwerk, und entsprechend dieses rasanten Farbwechsels ändert sich auch die Laune des Heranwachsenden im Minutentakt. Hinzu kommen die schnellen Veränderungen im körperlichen Bereich und das ungestüm wachsende Interesse am anderen Geschlecht.

JugendtreffZufälligerweise ist dies auch noch die Zeit, in der die Eltern plötzlich ziemlich schwierig werden. Im Ergebnis stellt die Pubertät ein Zenit an täglichen Konfrontationen und Auseinandersetzungen zwischen allen Beteiligten dar, das sind nicht nur die Teenager und ihre Eltern, sondern auch Lehrer, Geschwister und Freunde, wobei die Großeltern oftmals eine wichtige ausgleichende Rolle einnehmen. Um diese anstrengende Zeit durchzustehen, sollte man ungefähr abschätzen können, was in den jungen und z. T. sehr verunsicherten Menschen vorgeht.

Die Pubertät verändert das Verhalten

  • Verschlossenheit gegenüber den Eltern entsteht relativ häufig in diesem Alter. Sie kann sich äußern in einem totalen Rückzug ins eigene Zimmer, das meistens von ziemlichem Chaos und unerträglicher Musik beherrscht wird. „Betreten verboten“ oder „Persona non grata“ steht für die Eltern sogar manchmal unmissverständlich an der Tür. So jedenfalls sieht die Situation oftmals bei Jungen aus. Bei Mädchen äußert sich die Verschlossenheit eher in ihren vielen Geheimnissen, was früher so alles offen und gern mit der Mutter besprochen wurde, gibt es jetzt nicht mehr.
  • Fast alle Regeln und Autoritäten werden infrage gestellt. Die Jugendlichen sind eigentlich fast den ganzen Tag damit beschäftigt, Grenzen zu ertasten bzw. auch selbst abzustecken. Auch das kostet Energie, die meistens von den schulischen Leistungen abgezogen wird. Aufruhr oder Meuterei gegenüber den Lehrkräften ist folgerichtig an der Tagesordnung.
  • Das sehr oft impulsive Verhalten ist eine Folge der schnellen hormonellen Veränderungen, die auch in einer Art Rückkopplung stehen mit bestimmten neuronalen Strukturen im Hirn. Beim sogenannten „Halbstarken“ ist es manchmal ziemlich offenkundig, dass der Kopf mit dem Körper noch nicht so ganz mithalten kann.
  • Das Interesse am anderen Geschlecht wächst oftmals zulasten anderer bisheriger Betätigungsfelder, z. B. der Geigen- oder Klavierunterricht. Mit etwas Glück spielt die neue Freundin z. B. Gitarre, und plötzlich steht dieses Instrument im Fokus des Ju
    ngen.
  • Selbstständiges Agieren unabhängig von den Eltern steht ganz oben auf der „To-do-Liste“ von Teenagern. Dazu gehört der Einkauf ihrer Bekleidung oder die Frisur wird selbst bestimmt, denn der junge Mensch ist jetzt auf der Suche nach seinem Stil, oftmals in direkter Anlehnung an ein Idol aus der Musikszene.
  • Die Gruppenzugehörigkeit spielt jetzt eine zentrale Rolle, was eine große Gefahr in sich birgt, denn viele Teenager werden so zum Spielball für Sekten oder kriminelle Vereinigungen, oder sie gleiten in die Drogenszene ab.

Spätestens jetzt läuft vielen Eltern zurecht ein eiskalter Angstschauer über den Rücken, und es keimt die Frage auf: „Was können wir nur dagegen tun?“

Das richtige Verhalten der Eltern ist eine folgenschwere Gratwanderung

  • Die Regel Nr. 1 heißt Ruhe bewahren. In der Pubertät durchleben die heranwachsenden Kinder eine schwere und zugleich aber auch sehr wichtige Phase ihrer Entwicklung. Um einen guten Kontakt und ein gutes Verhältnis zum Kind aufrechtzuerhalten, sollten Eltern in dieser z. T. lange anhaltenden Zeit ganz besonders viel Geduld aufbringen.
  • Das bedeutet aber nicht, dass man nun gar keine Grenzen setzen kann. Im Gegenteil, bisherige bewährte Regeln im Zusammenleben der Familie bleiben selbstverständlich erhalten. Geboten sind aber dynamische Anpassungen, z. B. betrifft das eigentlich immer die abendliche Stunde, wann ein Teenager spätestens zu Hause sein muss. Diese Dinge sind in Ruhe gemeinsam zu besprechen, um daraus tragende Kompromisse zu entwickeln. Dabei geht es auch immer darum, den Teenagern klarzumachen, dass sich die Eltern Sorgen machen und solche „Beschränkungen“ nur aus Liebe zu ihrem Kind einführen.
  • Die Suche nach der eigenen Persönlichkeit „erdulden“. Grüne oder lila Haare sind kein Grund zum Streiten. Beim Piercing oder bei Tätowierungen sollten wir offen und sachlich über die damit verbundenen Gefahren sprechen, uns ggf. zuvor gut darüber informieren. Es gibt inzwischen so viele beeindruckende Beispiele und Autobiografien über Menschen, die dann in ihren reiferen Jahren extrem mit ihren „Jugendsünden“ haderten, die man auch mal konkret aufzeigen kann.
  • Neue Kontakte der Kinder sollten die Eltern jetzt sehr aufmerksam und kritisch hinterfragen, ohne dabei ablehnend zu erscheinen, denn so junge, biegsame Menschen sind sehr beliebte „Opfer“ für Sekten oder Cliquen mit Affinität zu kriminellen Machenschaften, manchmal auch unter dem Deckmantel von Religion oder Politik. Auch bei „Einstiegsdrogen“ müssen die Alarmglocken läuten.
  • Das hohe Niveau des Vertrauens aufrechterhalten. Keine leichte Aufgabe in der Pubertät, aber sehr wichtig und auch machbar. Nach Möglichkeit sollten auch andere vertraute Verwandte wie z. B. ein jüngerer Onkel (Tante) und vor allem auch die Großeltern zu jeder Zeit ein sicherer Hafen für die Teenager sein. Es ist sehr hilfreich, wenn die Teenager nach wie vor zu ihrem Sport- oder Schachverein gehen, ggf. weiterhin einem Chor, Tanzgruppe oder Band angehören. Die guten alten Freunde dort können einen Teenager in einer kriselnden Situation gut auffangen und wieder Halt geben.
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gute Anmerkungen

Peter schrieb am 22. September 2014