Kinderlärm, wann sind Kinder zu laut?

Gegen Kinderlärm vorzugehen ist rechtlich heute schon ziemlich schwierig und soll künftig noch schwieriger werden, da in Deutschland eine sehr kinderfreundliche Rechtslage herrscht, die in Zukunft noch kinderfreundlicher werden soll. So haben Klagen gegen Kindertagesstätten in Wohngebieten selten eine Chance. Gut so, sagen Eltern, denn was gibt es Schöneres als Kinderlachen?

Des einen Freud, des anderen Leid

Der Kinderlärm muss auch von Menschen hingenommen werden, die beispielsweise als Schichtarbeiter auf Tagesschlaf angewiesen sind. Denn dem Kinderlärm kann sowohl faktisch als auch rechtlich kaum entgegengewirkt werden und ist daher als Alltagsgeräusch hinzunehmen.

Vor allem sehr kleine Kinder können schließlich nicht begreifen, dass sie laut sind. Ob die Einstellung vieler Eltern, ihre Kinder müssten sich grenzenlos entfalten dürfen, jedoch förderlich für die kinderfreundliche Stimmung in der Gesellschaft ist, sei dahingestellt.

Viele Eltern sehen es als eine Schande an, dass mit Blick auf das Immissionsschutzrecht Kinderlärm (noch) auf der gleichen Stufe steht wie Maschinenlärm.

Der Kinderlärm sei als Zeichen der Lebendigkeit eines Umfelds zu begrüßen, heißt es.

Gesellschaft an Kinder gewöhnen

Eine Gesetzesinitiative geht dem Deutschen Familienverband nicht weit genug. Kinder und Jugendliche müssten das Recht haben, sich frei und altersgerecht entfalten zu können und das sei nun einmal mit Lärm verbunden.

Bolzplätze sollten nicht am Stadtrand angesiedelt sein, sondern gehörten mitten in Wohngebiete, fordert der Deutsche Familienverband.

Leider lasse sich die Einsicht der Erwachsenen nicht per Gesetz regeln.

Schreiendes Baby © Ilka Burckhardt - Fotolia.com

Schreiendes Baby

Denjenigen Erwachsenen, die Kinder nicht so toll fänden, könne jedoch geholfen werden, indem man die Kinderspielanlagen zahlreicher werden lässt. Dies trage dazu bei, dass diese Menschen sich wieder an Kinder gewöhnen würden und alle miteinander wieder Freude am Lachen, Schreien und Toben hätten.

Es sei daher zu begrüßen, wenn der Nachwuchs dies überall auch tun würde.

Erziehung?

So muss die Antwort auf die Eingangsfrage lauten: Kinder sind niemals zu laut. Rechtlich gibt es jedenfalls kaum eine Handhabe gegen Kinderlärm und wird es in Zukunft immer weniger geben.

Das heißt für Eltern: Rücksicht auf Nachbarn und andere Nebenmenschen braucht praktisch nicht mehr genommen zu werden.

Man kann sich vor diesem Hintergrund jedoch die Frage stellen, ob und wenn ja, wie Erziehung respektive Anpassung an die Umwelt, stattfinden soll und ab wann König Kind lernen soll, dass die Welt ihm später nicht mehr grenzenlose Entfaltung zubilligt, da es auch andere Menschen gibt, die sich ebenfalls entfalten wollen.

Was Hänschen nicht lernt, …

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Dass über Kinder und normalen Kinderlärm so ein Theater gemacht wird, stimmt mich, eine zweifache Mutter nachdenklich und traurig :(. Kinder sollen doch noch Kinder sein, rumtoben und spielen dürfen – dies alles natürlich im gesunden Rahmen und mit Mass. Doch langsam aber sicher frage ich mich schon, wohin uns diese kinderunfreundliche, wenn nicht kinderfeindliche Entwicklung hinführen wird, in einer Zeit, wo Nörgler Kinder und deren Eltern am liebsten aus dem öffentlichen Leben wie ÖV, Flugzeug, Hotels, Restaurants und Geschäfte verbannen möchten… . Wir haben nicht nur zwei eher wilde, lebhafte und neugierige Kinder, sondern zum grossen Glück auch sehr nette, verständnisvolle, hilfsbereite und tolerante Nachbarn. Dafür sind wir sehr dankbar! Unsere Kinder wissen theoretisch, dass sie in der Wohnung, im ÖV, Geschäft und im Restaurant nicht gleich laut sein dürfen wie auf einem öffentlichen Spielplatz. Sonst werden sie von uns anständig ermahnt. Machen Kinder Lärm, so hat das meistens nichts mit mangelnder, falscher oder antiautoritärer Erziehung zu tun, sondern damit, dass Kinder im Hier und Jetzt leben und sich bei Spiel und Spass oft schlichtweg vergessen. Über Nörgler und Kinderlose, die sich über friedlich spielende Kinder aufregen, sich dann aber dennoch „ums Verroden“ ins Familienrestaurant und dort ausgerechnet in die Nähe der Spielecke setzen bzw. in die Nähe eines Kinderspielplatzes ziehen, habe ich ehrlich gesagt kein Verständnis! Ich setzte mich früher auch nicht extra im Zug ins Raucherabteil, um dann lautstark und respektlos über die Raucher, das Nikotin und den Gestank abzulästern… Grosse Mühe habe ich auch, wenn Kinder von Erwachsenen respektlos als „Bälger“ bezeichnet und wegen Nichtigkeiten angeschnauzt werden. Es kann und darf einfach nicht sein, dass Erwachsene, die ja als gutes Vorbild und gutes Beispiel vorangehen sollten, von Kindern und Jugendlichen Anstand und Respekt verlangen, ihnen jedoch genau diese wichtigen Werte nicht entgegenbringen (wollen). Doch auch gerade Kinder haben trotz mangelnder Lebenserfahrung das Recht auf respekt- und würdevolle Behandlung! Schliesslich ist die Würde des MENSCHEN, egal wie alt dieser ist, unantastbar :)! Kinder sind und bleiben unsere Zukunft, die Kunden und Gäste von morgen und können statt Lärm- und Störfaktor eine grosse Bereicherung für alle sein. Sie sind ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft und gehören in unsere Welt, in unser Leben und in unseren Alltag. Sie lassen sich nicht einfach so „wegzaubern“, bloss weil sie einigen Griesgramen nicht in den Kram passen. Diese sollen einfach bitte bedenken, dass auch sie mal Kinder waren und nicht bereits als ruhige, brave, stille, lebenserfahrene und wohl erzogene Erwachsene auf die Welt gekommen sind. Mit etwas mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, etwas mehr gegenseitigem ausgewogenem Geben und Nehmen, Leben und leben lassen, Toleranz, Respekt, Rücksicht, Akzeptanz, Offenheit, Geduld, Verständnis, Anstand und gesundem Menschenverstand auf allen Seiten sollte einem gemütlichen, friedlichen und harmonischen Zusammenleben eigentlich nichts mehr im Wege stehen!

Andrea Mordasini, Bern (CH) schrieb am 20. April 2014