Typische Vornamen der DDR – Ostdeutschland

„Es war nicht alles schlecht!“ – diese Meinung über die DDR ist regelmäßig zu hören. Gilt das auch für Namen? Werden bestimmte Vornamen wie Kevin, Mandy, Maik, Chantal, Pascal und Jacqueline nicht oft spontan mit der ehemaligen DDR verknüpft und die Träger dieser Namen sofort mit den Attributen „sozial schwach“ und „bildungsfern“ belegt?

Damals in der DDR …

In der alten Bundesrepublik begannen in den 1950er Jahren an Traditionen und der Religion orientierte Denkweisen zu bröckeln. Das hatte auch Auswirkungen auf die Vergabe von Vornamen an neu geborenen Kinder. Religiös anmutende Namen wie Lukas oder Maria klangen in den Ohren der Zeitgenossen zwar noch immer schön und waren nostalgisch und modern zugleich – Ausdruck von Religiosität und Traditionalismus waren sie jedoch schon längst nicht mehr.

Flagge der DDRZur gleichen Zeit waren in der atheistischen DDR vor allem traditionelle Namen wie beispielsweise Hans und Franz, Fritz und Peter, Maria oder Johanna erstaunlich beliebt. Erst mit dem Beginn der 1960er Jahre sanken diese Namen in den Hitlisten mehr und mehr ab. Eher ungewöhnliche Vornamen von Schauspielern und Rockstars wurden dagegen immer beliebter. Insgesamt ergibt die Betrachtung der geläufigen DDR-Vornamen, dass sich die Bürger weder für die Erschaffung eines neuen Menschen noch für die Erschaffung einer ganz neuen Welt sonderlich begeisterten.

Die Maxime war eher Kontinuität und Normalität – auch bei der Wahl der Vornamen. Gravierende Unterschiede zu den im Westen vergebenen Namen waren damals schon nicht mehr vorhanden.

… und heute in Ostdeutschland?

Ein Ranking der in Ost und West vergebenen Vornamen bringt es an den Tag – Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland gibt es nicht. Im Westen sind Hanna, Leonie, Mia, Marie und Lena sowie Jonas, Paul, Felix, Finn und Leon sehr beliebt.

Beliebte Ost-Namen sind:
Leonie, Hanna, Lena, Marie und Nele und Finn, Lukas, Jonas, Leon und Paul.

Allerdings: Die Aufstellung umfasst die Zeit nach dem Fall der Mauer. Wie war das mit Kevin und Chantal?

Kevin & Chantal

ddr-kevinismus

1991 – „Kevin allein zu Haus“

Obacht, Vorurteil: „Nur Drogenkinder und Ossis heißen Kevin“, hatte ein zappliger Spaßvogel aus Bayern einst verkündet – und mit dieser Ansicht steht er bis heute bei weitem nicht alleine da. Sogar bei Grundschullehrern gelten Kinder mit den Namen Mandy, Justin, Kevin und Co. als verhaltensauffällig und leistungsschwach.

Aber kommen Ronny, Mandy, Cindy, Chantal und Kevin alle aus dem Osten?

Die Namensforschung bringt es an den Tag: Der Film „Kevin allein zu Haus“ war 1991 ein Auslöser für die Beliebtheit des Namens – in Ost und in West gleichermaßen.

Zuvor hatte schon der Fußballer Kevin Keegan, der von 1977 bis 1980 beim HSV spielte, einen Kevin-Hype losgetreten.

Im Jahr 2006 beispielsweise wurden 600 gesamtdeutsche Neugeborene Kevin genannt. 127 davon in Niedersachsen, 129 in Nordrhein-Westfalen und in Sachsen lediglich 32.

Von einem Ossi-Faktor also keine Spur. Wohl aber von der Anglophilie tumber Fernsehzuschauer in beiden Teilen Deutschlands.

Die Dialekte

Namensforscher räumen allerdings ein, dass in der DDR eine Affinität zu englischen Vornamen gab. Die Erklärung dafür ist schnell gefunden: Jeder will eben immer das haben, was er nicht hat. Der andere Klang, die Sehnsucht nach dem etwas, das jenseits deutscher Traditionen und jenseits der DDR lag – all das spiegelte sich wieder in den englischen Namen. So wurden eben in der DDR Namen wie Jeremy oder Justin häufiger vergeben, während im Westenm slawische Vornamen wie Boris oder Mira im Trend lagen.

Abseits von Regimeprotest und Fernweh gibt es allerdings noch eine andere Erklärung für die Anhäufig englischer Vornamen in der DDR: den Dialekt. In Sachsen beispielweise liebt man verniedlichende und kurze Namen wie Peggy. Hier heißt ein Junge dann auch eher Max, während Bayern ihre Sprösslinge lieber Maximilian nennen.

Dialekt hin oder her – fest steht, dass sich die Vornamen in West und Ost immer mehr angleichen. So gibt es auch im Osten Deutschlands mittlerweile viele kleine Katharinas während der Namen Paul nun im Westen supertrendy ist.

Ein Resümee

Ganz typische DDR-Vornamen gibt es nicht. Was übrig bleibt, sind regionale Unterschiede – und das ist gut so: Während Hauke mit Wahrscheinlichkeit aus Norddeutschland kommt, spazieren kleine Korbinians wohl ausschließlich durch Bayerns schöne Natur …

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Nein

Noami schrieb am 26. Juni 2016

Lasst uns in ruhe

Vania schrieb am 26. Juni 2016

@virginia Ich weiß nur dass virgin aus dem Lateinischen kommt und Jungfrau/Mädchen bedeutet.

Lena schrieb am 1. Dezember 2015

völliger Blödsinn

kulär Joonge schrieb am 25. November 2015

eines erstaunt mich immer wieder OST und WEST ich denke wir sind EIN staat aber nix davon zu merken bezieht sich nicht nur auf VORNAMEN sondern auch auf das alltägliche leben und es wird immer schlimmer die MAUER in den köpfen wurde leider noch nicht abgerissen sondern wird immer stärker

maffinchen schrieb am 19. November 2015

„Ganz typische DDR-Vornamen gibt es nicht.“ ?
Und wie ist es mit Silvio, Enrico ? Bin aus dem Westen und kenne keinen der so im westen heißt.

die drei lustigen zwei schrieb am 8. Oktober 2015

Ronny, Cindy, Mandy, Maik, Peggy…. waren meines Erachtens in der Ostzone Ausdruck der Ablehnung des SED-Regimes.

JoWi aus N schrieb am 10. August 2015

Was ist daran denn bitte befremdlich? Bis diese „kleinen Jungs“ alt sind, wird die Mehrzahl an Opas Leon oder Finn heißen. Opa Gerhard oder Opa Hans sind dann wohl eher befremdlich, weil diese Namen in der Generation nur noch sehr selten sein werden. (Wobei alte Namen ja auch gerade in sind, also wird’s wohl ein bunter Mix sein)

Nik schrieb am 17. März 2015

Was man auch anmerken sollte: zur Zeit gibt es offenbar einen Trend (zumindest bei kleinen Jungs), Namen zu vergeben, die zwar in der Kinder- und Jugendzeit des Sprösslings wunderbar passen (z. B. Lukas, Marvin, Leon, Finn, Simon…), aber bei einem Erwachsenen dann doch mehr oder weniger unpassend sind. Ich meine… „Opa Leon“ oder „Onkel Leon“ klingt ja doch befremdlich…

Leser schrieb am 13. März 2015

Was bedeutet mein Name ?

virginia schrieb am 26. Dezember 2014

Ich finde es zum unglaublich – das in wirklich jeder Situation ein Schwarz Weiß Vergleich gemacht wird. Nach Ende des 2. Weltkriegs in Europa gab es quasi zwei deutsche Staaten, wobei diese erst in den 60´er Jahren durch Mauern und Stacheldraht getrennt wurden. Somit Stand die „Mauer“ keine 30 Jahre und sollte nach 25 Jahren Grenzöffnung doch auch aus dem Geist entfernt sein. Allerdings ist die OST/West Mauer verbreiteter denn je und dabei wird vergessen, dass BAYERN auch im OSTEN ist. Denn wenn man einen Strich quer durch Deutschland zieht liegt Bayern genau wie die jungen Bundesländer er rechts vom Strich und somit im „Osten“. Zu mal Sachsen-Anhalt und Thüringen eindeutig die Mitte Deutschlands darstellen. Deshalb sollte man besser Wörter verwenden wie: „Bereich der ehemaligen DDR“, „junge Bundesländer“, „die mitteldeutschen und nordostdeutschen Bundesländer“ etc……………………………….

Verständnisloser schrieb am 15. Oktober 2014