Warum haben Tiefdruckgebiete weibliche Vornamen?

Manchmal ist es gut, sich zu erinnern: In den letzten Jahren setzten Tiefdruckgebiete weite Teile Europas unter Wasser und Stürme peitschten über das Land. Sie waren gekennzeichnet von teilweise großen Regenmengen, dabei waren die Durchschnittstemperaturen zu hoch.

Grund dafür waren die zahlreichen Tiefdruckgebiete. Warum aber haben die Tiefs weibliche Vornamen und die Hochdruckgebiete männliche Namen?

Der „100-jährige Kalender“

tiefdruckgebieteMarius Knauer war der Name eines Abts, der sich von 1649 bis 1664 im Kloster Langheim bei Lichtenfels Gedanken über die landwirtschaftlichen Erträge seines Klosters machte.

Er saß im Observatorium des Klosterturms und beobachtete das Wetter, über dessen Erscheinungen er akribisch Buch führte. Er hatte die Absicht, turnusmäßige Wetterverläufe zu entdecken, um sie zur Ertragssteigerung auf den Äckern und in den Gärten des Klosters zu nutzen.

Sein Ziel waren zutreffende Wettervorhersagen, später nannte man Knauers Wetteraufzeichnungen „100-jähriger Kalender“. Zahlreiche Bauernregeln haben darin ihre Ursprünge.

Die Namen der Taifune

Während der 100-jährige Kalender schon einige Jahrhunderte alt ist, gibt es die namentliche Bezeichnung für Hoch- und Tiefdruckgebiete gerade mal etwa 70 Jahre. Eingeführt wurde sie in den USA im Verlauf des Zweiten Weltkriegs.

Denn im Pazifik wüteten nicht selten mehrere Taifune gleichzeitig – zu deren Voraussage belegte sie der US-Wetterdienst mit weiblichen Vornamen in alphabetischer Reihenfolge. Wenig später wurde diese Praxis auch auf die Hurrikane im Atlantik ausgeweitet.

Karlas Tipp

In Deutschland begann das Institut für Meteorologie der Freien Universität in Berlin 1954 mit Namensgebung für Tief- und Hochdruckgebiete. In Anlehnung an die Praxis in den USA hatte die junge Studentin Karla Wege angeregt, dem Wetter auch in Deutschland Vornamen zuzuordnen. Als ZDF-Meteorologin fand Frau Dr. Wege später ihre Bestätigung, dass sich das Wetter mit dieser Praxis wesentlich übersichtlicher kommentieren lässt.

So wurde die amerikanische Praxis übernommen und Deutschlands Wetterinstitut belegte die Tiefs mit weiblichen und die Hochs mit männlichen Vornamen in alphabetischer Abfolge.
Zunächst war die Namensgebung nur im Großraum Berlin gang und gäbe – erst 1990 wurde sie über ganz Deutschland ausgedehnt. Damals waren mehrere Orkane in rascher Folge über das Land gezogen und die Namensgebung der Universität Berlin wurde deshalb auch für die Medien interessant – die namentliche Bezeichnung von Hoch- und Tiefdruckgebieten bürgerte sich ein.

„Schietwetter“ mal so und mal so

Aber nicht nur die Frauenverbände fragten sich, warum der Sonnenschein männlich und mieses Wetter weiblich bezeichnet wird. Im Jahr 1998 kam es zur Lösung des Problems: Jedes Jahr wechseln seitdem das Recht der Namensgebung; die heranziehenden Druckgebiete werden mal mit weiblichen und mal mit männlichen Vornamen belegt.

So verleihen Deutschlands meteorologische Institute bei geraden Jahreszahlen weibliche Vornamen an die Tiefdruckgebiete. Bei ungeraden Jahreszahlen sind sie dann für den schönen Sonnenschein zuständig.

Übrigens: Beim Institut für Meteorologie an der FU Berlin kann man „Wetterpate“ werden. Für 199 Euro bei einem Tief und 299 Euro bei einem Hoch können Namen ersteigert werden. Hochdruckgebiete sind dabei teurer, weil sie länger andauern.

Die Namen der Hochs

Im Jahr 2015 hatten Hochdruckgebiete folgende Namen:

Antonia, Annelie, Annice, Brigitte, Bijanka, Bibi, Christine, Clara, Carry, Deike, Dietlinde, Doris, Eva, Erika, Fritzi, Friederike, Fienchen, Geertje, Gwendolin, Gabriela, Hildegard, Hanne, Husch, Isabel, Isa, Juana, Jessika, Karma, Karin, Lajana, Luisa, Maybrit, Maria, Netti, Natascha, Ostra, Oldenburgia, Petra, Padma, Quila, Quinta, Roswita, Regina, Sophie, Suse, Tomoka, Tina, Ulrike, Viva, Viola, Waltraut, Walburga, Xena, Xenia, Yvonne, Yiko, Zoe, Zita

In den 12 Monaten des Jahres 2016 werden die Hochdruckgebiete wieder männliche Vornamen tragen.

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von Vorname.com