Was Vornamen von Kindern über ihre Eltern aussagen

Vornamen sagen viel über die zugehörigen Familien aus. Denn die Menschen werden von ihrer Umwelt anhand unterschiedlicher Vornamens-Charakteristika als reich oder arm, als fremd oder vertraut, als schlau oder unintelligent eingestuft.

Die Namen sind nicht Schall und Rauch!

Selbstbewusste Eltern können Kinder zu einer starken Familie erziehen © Deklofenak - Fotolia.com© Fotolia, Deklofenak

Wenn sich Eltern für einen bestimmten Vornamen entscheiden, schwingt ein gehöriger Teil Unterbewusstes mit. Nicht umsonst sind diejenigen Vornamen, die einen besonders hohen sozioökonomischen Status anzeigen, so beliebt.

Denn die Eltern wollen zeigen, wie wohlhabend sie sind oder erscheinen wollen und wie gebildet sie sind. Zudem geben die ausgewählten Vornamen Auskunft über ihre Traditionsverbundenheit und sogar über nicht verarbeitete Probleme der Eltern. Auch Träume, Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen beeinflussen die Namenswahl.

Deshalb wird die Redensart, wonach Namen „Schall und Rauch“ sind, im Alltag andauernd ad absurdum geführt. Gern vergessen wir, dass der von Johann Wolfgang Goethe im „Faust“ geprägte Spruch von Doktor Faust gebraucht wird, um dem Gretchen zu verheimlichen, zu welchem Gott er betet. So bedient er sich der Phrase:

„Ich habe dafür keinen Namen! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut.“

Aber bitte! Zwar verfügen unsere Vornamen nicht über eine lexikalische Bedeutung, denn man kann eine Louise oder einen Maximilian nicht genau so definieren wie beispielsweise die Blume als „eine Pflanze von relativ geringer Höhe, die größere, auffallende Blüten hervorbringt“. Nichtsdestotrotz schwebt jedem Mitglied einer Kulturgemeinschaft vielerlei vor, wenn es bestimmte Vornamen hört. Diesen Effekt bezeichnen die Linguisten als „Bedeutsamkeiten“.

Die Onogramme

Sprachwissenschaftler haben diese Bedeutsamkeiten genau unter die Lupe genommen: Im Bezug auf 2 300 Namen sollten die Probanden zwischen 13 definierten Adjektivpaaren wählen. Auf der Grundlage der Befragung wurde dann für jeden Vornamen ein sogenanntes Onogramm erstellt. Anhand dieser Assoziationsdiagramme lassen sich mit bestimmten Vornamen verbundene Eigenschaften in grafischer Form veranschaulichen. So konnten die Befragten darüber entscheiden, ob ein Namensträger als jung oder alt, reich oder arm, vertraut oder fremd, intelligent oder unintelligent empfunden wird.

Zufällig sind die ganzen Beurteilungen nicht – schon 1973 kamen Linguisten zu der Erkenntnis, wonach „Physiognomien von Namen innerhalb einer bestimmten Sprachgemeinschaft“ gleichartig bewertet werden.

Darauf bezogen zeigen wissenschaftliche Analysen, dass modern erscheinende Namen mit besonderer Intelligenz in Verbindung gebracht werden. Aber auch Zeitgenossen, die Konstantin, Charlotte, Cornelius oder ähnlich heißen, wirken schlau, weil griechisch oder lateinisch basierte Vornamen ebenfalls rasch mit Intelligenz verbunden werden – und dabei beziehen die Rezipienten die Intelligenz zunächst auf die Eltern, bevor die Kinder mit fortschreitendem Alter vom Nimbus der Klugheit umgeben werden.

So wählen bildungsnahe Eltern oft derart humanistische Vornamen aus. Sie wissen, dass die Einschätzungen bestimmter Vornamen auf Erfahrungswerten beruhen, die alle Menschen miteinander teilen – und sie sind einerseits belesener.

Andererseits sind belesene Eltern nicht selten weniger experimentierfreudig, sie bevorzugen unverfängliche und klassische Vornamen – wogegen ausgefallene und flippige Namen in der sogenannten Unterschicht populärer sind.

Was auf A endet

Nachvollziehbar ist, dass alles, was im Deutschen auf den Buchstaben A endet, als weiblich eingeordnet wird. So wird der italienische Männername Luca hierzulande zuweilen auch an Mädchen vergeben.

Objektiv erklärbar sind auch Vorstellungen vom Alter des jeweiligen Namensträgers. So dürften Leonie oder Leon irgendwann zwischen 2000 und 2010 geboren worden sein, während Gertrud oder gar Adolf längst in Rente sind – und Adolf hat wohl sicher vor 1945 das Licht der Welt erblickt. Der Adolf ist das Extrembeispiel für ein namens bezogenes Image. Die mit diesem Namen verbundenen Assoziationen werden durch einen bestimmten Namensträger festgelegt.

Namen verraten nicht selten auch die geografische Herkunft – so lassen skandinavische, niederdeutsche oder friesische Namen auf eine Herkunft aus Norddeutschland schließen. Sportliche Assoziationen entstehen durch kurze und zackige Vornamen wie Jack oder Tim, während besonders wohlklingende Vornamen wie Isabella oder Amelie von vielen besonders attraktiv empfunden werden.

Die große Vielfalt

Ob Charakter, Bildungsstand, Attraktivität, Sportlichkeit oder Charakter – Vornamen sagen viel über ihre Träger und über deren Eltern aus. Sicher, das alles ist dem Mainstream unterworfen – langfristiger Trend ist allerdings die große Namensvielfalt. So ist zu hoffen, dass sich der Fundus gesellschaftlich akzeptierter Vornamen peu à peu vergrößert.

Ähnliche Beiträge
Kommentar schreiben

Manche Namen verbindet die Gesellschaft eher mit der Unter- bzw. Oberschicht, aber allein dahingehend zu urteilen ist ansich nicht möglich und zuweilen sicher auch unfair. Das Kind selbst kann nichts für seinen Namen. Manche Namen sind so geläufig oder eben sogenannte Modenamen, dass daran nicht zwingend eine Zuordnung erfolgen kann. Die einen finden die Namen unkompliziert, modern – aber nicht überheblich, andere sind vielleicht einfach einfallslos. Mit Lukas, Leon, Sophie, Mia oder Emma kann man halt (momentan) nichts falsch machen. 😉 Andere Eltern möchten wiederum nicht die 0815-Namen, die überall zu lesen sind, und geben ihrem Sprössling einen eher ausgefallenen Namen. In diesem Fall könnte man lediglich – aber vorsichtig – anhand des ausgefallenen Namens evtl. auf eine Schichtzugehörigkeit der Eltern schließen. Je nach Name des Kindes eben.

Ela schrieb am 14. Dezember 2015