Zweitname, Ja oder Nein?

Portrait of a cheerful mother and cute baby playing© iStock, m-imagephotography

Per Definition wird der Zweitname auch Zwischenname, Mittelname oder Zusatzname genannt. Zweitnamen stehen jeweils zwischen Vor- und Zunamen. In Deutschland gibt es Traditionen, wonach der Zweitname besonders in katholischen Gegenden beliebt ist – dabei werden die Namen der Tagesheiligen des Geburts- oder Tauftages gern verwendet. Auch der Name des Großvaters muss traditionell herhalten, weil abergläubisch angenommen wurde, der Enkel sei die Reinkarnation des Opas.

Muss man zwingend einen Zweitnamen vergeben?

Manche Zweitnamen tauchen kaum einmal auf, Beispiele sind Xavier Kurt Naidoo, Dieter Günter Bohlen, Ruz Fidel Castro, William Brad(ley) Pitt oder Michael Sylvester Stallone. Andere sind stets genannte Bestandteile des Namens wie bei Wolfgang Amadeus Mozart oder Guido Maria Kretschmar und Rainer Maria Rilke – der Zweitname Maria war übrigens lange eine sehr bayrische Gepflogenheit.

Manchmal taucht der Zweitname mit seinen Initialen auf – wie beispielsweise bei John F. Kennedy oder George W. Bush, die im Übrigen gute Beispiele für die amerikanische Gepflogenheit der „Middle Initial“ sind. Diese Sitte soll zuweilen auch besondere Klugheit suggerieren …

Wenn zwischen den Vornamen und den Zweitnamen Bindestriche stehen, wie bei Lisa-Marie Presley, Frank-Walter Steinmeier oder bei Marie-Luise Marjan liegen Doppel- und keine Zweitnamen vor.  Ein Zweitname kann auch in größerer Anzahl vergeben werden, wobei größere Summen diverser Zwischennamen häufig bei Spaniern, Portugiesen, Arabern und Adligen anzutreffen sind.

Ist weniger mehr?

Werdende Eltern sind sich oft weder sicher und schon gar nicht einig über die passende Anzahl von Vornamen für ihr Baby. Den vielen häuslichen Palavern scheint die einfache Erkenntnis „weniger ist mehr“ die Grundlage zu entziehen und die einfache Wahrheit, wonach Zweitnamen eigentlich überflüssig sind, kann kaum Raum greifen …

Sicher ist, dass drei Vornamen das Maximum ist, das den neuen Erdenbürgern zugemutet werden sollten. Was dabei die Frage der Verteilung von Vor- und Zweitnamen betrifft, sind die Vorschriften diffus: An wen der verschiedenen Paten, Ahnen, Filmstars und Ex-Affären die drei verfügbaren Plätze vergeben werden, ist in umfänglich allein Mama und Papa überlassen.

Es ist nach wie vor Usus, die Namen der Großeltern weiterzugeben. Berücksichtigt man – was sich empfiehlt – das Geschlecht des Kindes, kommen nur zwei Namen infrage, das Kind hat allerdings oft ihrer vier. Lässt man unterschwelliges Konfliktpotenzial bei den Senioren außer Acht, kann man nicht viel falsch machen. Allerdings sollte man beim Kombinieren der Vornamen, die ja auf dem jeweilig angesagten Stilempfinden unterschiedlicher Generationen basieren, auf komische Effekte achten! Verknüpfungen à la Keisha Adelheid oder Tyson Otto erscheinen suboptimal.

Auch Alliterationen sind zu beachten. Fette Alliterationen wie „Wir Wiener Wäscherweiber wollten weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo weiches warmes Wasser wär“ müssen es gar nicht sein – schon im simplen, einpaarigen Regelfall haben sie einen Hang zum Unnatürlichen, ja zum Affigen. Letztendlich sind die Namen von Superhelden und Comicfiguren oft mit kühlstem Kalkül alliterativ gewählt – Beispiele sind Gustav Gans, Peter Parker, Bussi Bär, Maverick Meerkat, Natty Narwhal oder Donald Duck.

Geradezu katastrophal sind Dreifach-Alliterationen wie Teenie Tapsi Törtels, Bastian Balthasar Bux oder Mia Maria Mucke – damit macht man sich ja lächerlich!

Also sind drei Vornamen – oder, wenn man so will zwei Zweitnamen – die absolute Oberkante Unterlippe. Eine Frage der gesetzlichen Bestimmungen ist dies allerdings nicht – eigentlich akzeptiert jedes Standesamt fünf Vornamen ohne größeres Murren.

Also liegt das Problem woanders:

Wenn gewisse Normalbürger mal so richtig auf die Kacke hauen wollen, ohne ihren Kreditrahmen zu diesem Zweck zu sprengen, spendieren sie sich und ihrem Sprössling einen krassen Vor- und Zweitnamenssteinbruch. Diese Art Erhabenheit erschüttert in der Regel nicht einmal das Standesamt.

Allerdings ging kurz vor dem Millennium eine Nachricht durch die Presse, wonach eine rheinische Mutter ihren Sohn Chenekwahow Tecumseh Migiskau Kioma Ernesto Inti Prithibi Pathar Chajara Majim Henriko Alessandro zu nennen beabsichtigte.

Die stolze Namensliste wurde vom Amtsgericht Düsseldorf auf vier geschrumpft, nachinstanzlich gestattete das Oberlandesgericht mit Ach und Krach noch einen fünften Zweitnamen dazu.
Recht so! Schließlich muss auch mal Schluss sein!

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H

Oh schrieb am 1. November 2016

zweitnamen sind gut wenn beide vornamen nicht so lang sind so dass kinder später nicht ständig platzprobleme haben wenn sie ein formular ausfüllen müssen außerdem sollten die beiden namen vom klang her zusammen und auch zum nachnamen passen

Ariane schrieb am 10. November 2015

Also ich finde Zweitnamen super, damit wird man irgendwie individueller (: Ich meine, es gibt richtig viele Sarahs, aber eine Sarah Christina (So heißt meine Schwester) findet man nicht so oft (: Aber meiner Meinung nach reicht ein Zweitname aus, mehr als insgesamt drei Namen sollte man nicht vergeben!
Liebe Grüße, Pia Sophie

Pia Sophie schrieb am 10. Mai 2015