Wir sehen genau so aus, wie wir heißen

"Nomen est omen", sagten schon die alten Römer. Der Name ist ein Zeichen. Wie sehr sie damit Recht hatten, war ihnen wahrscheinlich selbst gar nicht bewusst. Denn nicht nur unsere Gene bestimmen, wie wir aussehen. Sondern auch unsere Vornamen. Das haben nun israelische Forscher herausgefunden.

Mal ehrlich: An wen denkt Ihr beim Namen Justin? Und an wen beim Namen Alexander? Welche Vorstellungen habt Ihr von jemandem, der Chantal heißt? Oder Lisa? Oder Ben?

Wir sehen genau so aus, wie wir heißen © iStock, mihailomilovanovic

Vornamen sind alles andere als Schall und Rauch. Ganz und gar nicht. Sie sind klischeebeladen und imagebildend. Häufig transportieren sie nicht nur die Identität eines Menschen, sondern vermitteln uns auch Informationen über dessen Alter, Attraktivität und Intelligenz. Wenn wir von einer Person nicht viel mehr als den Vornamen kennen, beurteilen wir sie danach, wie sie heißt. Ganz unbewusst. Ob wir nun wollen oder nicht.

Vornamen beeinflussen also zwischenmenschliche Beziehungen. Doch damit nicht genug. Sie bestimmen sogar, wie wir aussehen. Und zwar so sehr, dass wir Fremden erstaunlich oft an der Nase ablesen können, wie sie heißen. Das haben nun Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem herausgefunden.

Im Rahmen einer Studie legten sie Hunderten Versuchspersonen in Israel und Frankreich Portraitfotos und eine Auswahl von vier bis fünf Vornamen vor. Die Aufgabe der Teilnehmer bestand darin, den Menschen auf den Fotos ihren richtigen Namen zuzuordnen.

Das verblüffende Ergebnis: Den Versuchspersonen gelang dies mit einer erstaunlich hohen Trefferquote von bis zu 40 Prozent. Damit trafen sie deutlich öfter ins Schwarze, als nach dem Zufallsprinzip zu erwarten gewesen wäre. Es müssen also visuelle Hinweise vorliegen, die auf den Vornamen schießen lassen. Auch wenn sich das zunächst unglaublich anhört.

Aber wie ist das möglich? Die Forscher glauben, dass kulturspezifische Stereotypen (oder auch gepflegte Vorurteile) eine Rolle spielen, die wir mit bestimmten Vornamen verbinden. Ein Justin sieht in unseren Vorstellungen eben anders aus als ein Alexander. Von einer Chantal haben wir ein anderes Bild im Kopf als von einer Lisa. Die Träger dieser Namen nähern sich im Laufe der Zeit diesen Erwartungen unbewusst an.

„Wir glauben, dass solche Stereotype mit der Zeit das Gesicht einer Person etwas in die entsprechende Richtung verändern können“, schreiben die Wissenschaftler dazu in der Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychologie". Ganz nach dem Prinzip einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Erwartungen werden zur Realität.

"Wir unterliegen der sozialen Gestaltung von der Minute unserer Geburt an", fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen, "nicht nur durch Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und sozioökonomischen Status, sondern einfach durch die Wahl, die andere für unseren Namen getroffen haben." Noch ein Kriterium mehr also, das werdende Eltern bei der Namensgebung für ihr Baby beachten sollten.


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Kommentare

Daran ist nichts dran, es stimmt was Alia gesagt hat. Hat man ein Vorurteil gegenüber einer Person oder eines Namens, wird man weitgehend nur das wahrnehmen, welches unser Vorurteil unterstützt.
Deshalb stimmt es auch nicht, dass alle Silvias zickig und alle Sandras lieb sind.
Dass du Sandras nur lieb und Silvias nur zickig kennst, hat nichts mit ihren Vornamen zu tun, sondern mit deiner Wahrnehmung!
Es ist das selbe, wie mit dem "Unglückstag" Freitag den 13.

Nehmen wir mal an, eine gewisse Maria ist überzeugt, dass an einem solchen Tag alles schief geht. Dass Gehirn merk sich also nur diese Tage an denen wirklich etwas schief gegangen ist. Daraus gilt für Maria, dass Freitag der 13 ein Unglückstag ist.
So ist es auch mit deinen Silvias und Sandras. Du hast eine Silvia kennengelernt die zickig ist. Dein Gehirn steckt dadurch alle Silvias in die Schublade "zickig". Du hast dadurch ganz unbewusst den Vornamen Silvia mit zickig verbunden. Immer wenn jetzt eine Silvia zickig ist, fühlst du dich in deiner "Theorie" bestätigt.
Aber wenn du jetzt ganz bewusst darauf achtest, wirst du sehen, dass deine Silvias auch lieb und alle Sandras auch zickig sein können.
von @ Bernd
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Bei dem Namen Celine stelle ich mir ein(e) Mädchen/ junge Frau vor, zwischen 17 und 25.... blond bis hellbraun... vllt ne Brille... nicht schlank aber auch nicht dick... eher kleiner.. eher extrovertiert und zickig und Hobbies keine Ahnung d: und wenn ich Bern höre stelle ich mir einen großen Typen vor, um die 30 oder 40... freundlich, ründliche Gesichtszüge
von O
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Die Schlussfolgerung macht überhaupt keinen Sinn. Da wird Ursache und Wirkung verwechselt. Dass sich unser Aussehen den Assoziationen der Gesellschaft die sie mit einem Namen verbindet anpasst ist nicht wahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass in bestimmten Gesellschaftsschichten und in unterschiedlichen Generationen bestimmte Namen vergeben werden. Sieht man ein Bild eines Menschen urteilt man durch die Wahl der Kleidung, Frisur Alter und Ähnliches, welcher sozialen Gruppierung derjenige angehört. Durch eine gewisse Erfahrung verbindet man dann den Namen mit dieser gesellschaftlichen Schicht, mit einem bestimmten Alter usw. So kann man einen "Kevin", eine "Justitia" eine "Elfriede" oder einen "Hans" einer Person zuordnen. Nicht unser Aussehen passt sich den Vorurteilen der Gesellschaft über bestimmte Namen an, sondern die Vorurteile beruhen auf bestimmte Beobachtungen. Was nicht heißt dass das immer zutrifft, aber öfter.
von Alia
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Es stimmt, ich habe auch diese Erfahrung gemacht: Silvias sind oft zickig, Sandras ausgeglichen und lieb, Martinas undurchschaubar, aber trotzdem sympatisch und Melanies manchmal ein wenig wibbelig, aber eben auch innovativ. :-)

Das bezieht sich allerdings mehr auf meinen Bekanntenkreis, aber da habe ich bei mehreren gleichen Namen auch oft dieselben Erfahrungen machen müssen. Vielleicht ist da ja doch was dran! :)
von Bernd
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Interessanter Artikel. Ich frage mich, was für ein Bild man sich von mir macht, wenn man meinen Namen hört. Von wo komme ich, wie alt bin ich, wie sehe ich aus, was sind meine Hobbys, etc.
Es wäre toll, wenn man darauf genauer eingehen könnte und vielleicht ein paar Beispiele auflistet.
von Celine
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