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Neuer Vornamen-Ratgeber: Ernst beiseite! Tipps für Eltern

Wenn der Autor eines Vornamen-Ratgebers von Namen, die mit einer Alliteration beginnen - wie Ben Becker oder Jette Joop - abrät, selbst aber William Wahl heißt, dann weiß der Leser ziemlich schnell, wie das Buch aufzufassen ist. „Ernst beiseite! 500 Namen, die sie ihrem Kind (besser nicht) geben sollten" ist der Titel eines neuen Werks aus dem Rowohlt Taschenbuch Verlag. Und wie der Titel schon sagt, ist es eher ein Abrater bezüglich Vornamen als ein Ratgeber.

Wie es z. B. bei Ernährungsratgebern der Fall ist, dass sie nie von denen gelesen werden, die es nötig hätten, ist es auch bei diesem Kindernamen-Buch: die zukünftige Mama einer Cheyenne oder der zukünftige Papa eines Fidelius kommen gar nicht auf die Idee, sich mit Tipps zur Namensgebung zu beschäftigen. Für alle anderen ist es aber ein Riesenspaß, das gut 200-seitige Werk von William Wahl (einem Sänger der A-cappella-Truppe „Basta" aus Köln) zu lesen.

Aber nicht nur die Latte-macchiato-Mütter, Piloten-Väter, Hochhaus-Mamis und Lkw-Fahrer-Papis (Achtung Vorurteile!) bekommen ihr Fett weg, wenn sie mit Chiara-Janine, Emelie-Extra, Dschastin oder Chanelle auf dem Spielplatz auftauchen, der Autor rät von nahezu jedem Namen ab. Alexander, Ben, Emma, Mia? Allesamt ganz vorne in der Liste der beliebtesten Vornamen der Deutschen, allesamt eigentlich nicht vergebbar. Wer wissen will warum, sollte sich „Ernst beiseite!" zulegen. Der erfahrene Vornamen-Kenner weiß natürlich, was es mit Kevinismus und Chantalismus auf sich hat, aber kennen Sie auch Emilismus?! Auf Seite 60 erfahren Sie es.

Leider findet sich in dem Buch ein grober Fehler, der auf einem immer noch weit verbreiteten Irrtum beruht: nämlich der angeblich gesetzlichen Regelung, wonach das Kind einen eindeutig männlichen oder weiblichen Vornamen haben muss bzw. wenigstens einen geschlechtsspezifischen Zweitnamen haben sollte. Wie wir auf unserem Portal nicht müde werden zu erwähnen, gilt diese Regelung seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2008 nicht mehr. Trotzdem halten wir (und William Wahl) es selbstverständlich für sinnvoll, wenn nicht sogar unabdingbar, dass man sofort weiß, ist der Gegenüber eine Frau oder ein Mann. Optisch lässt sich dies ja meist noch einschätzen, wer aber jemals einen Brief oder eine E-Mail von einem Absender namens Kim, Lesley oder Sascha erhalten hat, der kennt die Peinlichkeit nicht zu wissen, ob man mit „Sehr geehrter Herr xyz" oder „Sehr geehrte Frau xyz" antworten soll. Ähnlich wird es dem/der falsch Angeschriebenen sicher mehrmals im Leben passieren. Muss ja nicht sein.

Neben den 500 Babynamen, die Sie ihrem Kind besser nicht geben sollten, hat der Autor auch kleinere Exkurse zu diversen Ureinwohnern dieser Welt im Programm (die zehn lieblosesten afrikanischen Vornamen bzw. die zehn kitschigsten hawaiianischen Vornamen). Und natürlich darf die Hitliste der durchgeknalltesten Promibabynamen nicht fehlen.

Das Buch hätte auch in der Reihe „Das fröhliche xy-Hasserbuch" (Kinderhasser bzw. Mütterhasser) erscheinen können und ist für alle, die einen guten Humor, einen Hang zum Sarkasmus oder ein Nachbarskind haben namens Felina (ach das arme Mädchen, es lispelt und heißt eigentlich Celina? Nein doch nicht...) oder Yannis (Y ist das neue J!), ist der Anti-Vornamen-Ratgeber genau das Richtige.

Passend zum Buch hat sich der Rowohlt-Verlag eine Online-Namen-Suchmaschine ausgedacht: den Chantalisator. Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, wie Sie heißen würden, wenn Ihre Eltern ähnlich schräg drauf gewesen wären wie die heutigen Nachwuchsproduzenten, dann schauen Sie rein ins Netz unter www.chantalisator.de: Vor- und Nachnamen eingeben und sich freuen, dass man nicht so heißt. Die Autorin dieser Zeilen würde übrigens Brianna-Kyelle heißen, ihre Kolleginnen und Kollegen Angel-Unity, Sienna-Xena, Steven-Jetura, Ryan-Chesney und Doméniq-Ulysses. In diesem Sinne: Ernst beiseite, Buch kaufen und viel Spaß beim Lesen!

P.S.: Wer eine ernst gemeinte Suchmaschine verwenden möchte, um einen passenden Mädchennamen oder Jungennamen zum eigenen Nachnamen zu finden, der kann den Babynamengenerator auf unserem Portal nutzen.