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Schreibweise und Aussprache ausländischer Vornamen

Emily und Sophie halten sich seit Jahren auf den vorderen Plätzen der beliebtesten Mädchenvornamen, Luca und Niklas stehen bei den Jungen ganz oben. Aus dem englischen, französischen und italienischen Sprachraum entliehen, gibt es bei diesen Beispielen keine Probleme mit der Aussprache, dafür mit der Schreibweise: „Mit c oder k? Mit f oder ph?“. Und die eingedeutschte Emily, die in der Schreibweise Emilie wieder ihrer ursprünglichen lateinischen Form nahe kommt (und damit die weibliche Form von Emil ist), aber trotzdem englisch ausgesprochen wird - eben nicht E-mi-li-e sondern E-mi-li – dürfte manchen Schreibern des Namens Kopfzerbrechen bereiten.

Das deutsche Namensrecht sieht bei Namen, die aus fremden Sprachräumen übernommen wurden, normalerweise die ursprüngliche ausländische Schreibweise vor. So muss ein René oder ein André einen Akzent auf dem „e“ haben. Begründung: Nur durch diesen Akzent wird klar, wie der Name ausgesprochen wird (nicht Andre, sondern Andreeee). Keine Regel ohne Ausnahme: Weil bei Desiree, die im Original Désirée geschrieben wird, durch die beiden „ee“s am Schluss klar ist, wie die Aussprache ist, kann der letzte – und auch der erste – Akzent weggelassen werden. Nicht erlaubt ist es allerdings, nach Lust und Laune einen Akzent zu setzen, nur um einem ungewöhnlichen Namen die Aussprache zu erleichtern. Beispiele: Marén, Michèl. Richtig wäre hier die Schreibweise Mareen bzw. Michelle.

In der früheren DDR waren Kindernamen, die aus Amerika oder Frankreich kamen, sehr beliebt. Um ihnen einen deutschen Anstrich zu geben, wurden sie so geschrieben, wie man sie aussprach: Aus Mike wurde Maik (oder Meik), aus Yvonne Ivonne oder aus Madeleine Madlen. Heute sind solche Schreibweisen eher unüblich, können sie doch bei Mitmenschen den Eindruck erwecken, die Eltern wären der Fremdsprache nicht mächtig. Ähnliches gilt auf für Janet, im englischen Tschänett gesprochen, bzw. Jeannette, im französischen Schanett gesprochen, aber eben nicht umgekehrt.

Während viele fremdsprachige Namen wie Jennifer, Vanessa, Kevin oder Justin inzwischen in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen sind, müssen sich manche Kinder wohl damit abfinden, Zeit ihres Lebens ihren Namen zu buchstabieren bzw. die Aussprache der geschriebenen Variante zu erklären. Ein Keanu ist im hawaiianischen kein Problem, auch in Amerika ist die Aussprache durch den Schauspieler Keanu Reeves kein Problem, in Deutschland wird die Frage „Wie schreibt man das?“ an der Tagesordnung sein.

Schwierig wird’s im allgemeinen bei der Aussprache angloamerikanischer Namen, die über Jack, John, Mary oder Debby hinausgehen. Deutscht man Samantha ein und spricht sie Sa-man-ta oder bleibt es bei Sa-män-tha (mit dem berühmt-berüchtigten „th“ = ti eitsch). Eins geht jedoch nicht: ein Mischmasch aus beiden Sprachen wie z. B. Sa-män-ta. Ähnliches gilt für Savannah oder Cheyenne. Auch warum ein David mit Däjwid gerufen wird oder Patrick lieber Pätrick heißt, wird Zeitgenossen mit Sprachgefühl ein Dorn im Auge sein. Noch dazu, wenn ein urdeutscher Nachname folgt.

Deshalb sollten sich Eltern bei der Namenswahl gut überlegen, ob der außergewöhnlich Name das Kind wirklich postiv aus der Masse hervorhebt oder nicht doch eher stigmatisiert (siehe die diversen Abhandlungen über das Phänomen „Kevinismus“ bzw. „Chantalismus“ im Internet). Dass die Diskussion über Vornamen nicht rational, sondern emotional geführt wird, erleben viele werdenden Eltern im Bekannten- oder Verwandtenkreis. Oft ist an den Anmerkungen etwas wahres dran und sie sollten nicht unbedacht zur Seite gewischt werden. Und oft liegt die Uroma mit ihrem Urteil näher an den eigenen Wünschen als die Mutter. Zeigt doch ein Blick auf die Vornamenhitlisten der letzten Jahre, dass Paul, Emma, Maximilian oder Maria wieder aktuell sind. Ein Unding, denkt man an die 1960er und 70er zurück, in denen viele der heutzutage nach Namen suchenden Eltern geboren wurden. Gut möglich also, dass Dieter oder Bärbel, Gustav oder Margarethe in 10 bis 20 Jahren wieder in Geburtsanzeigen auftauchen.

 
   
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