Vornamen im Wandel

Als eigentlicher Begriff hat der „Vorname“ indogermanische Wurzeln. Seine Bedeutung ist "das Merkmal" oder auch "das unterscheidende Kennzeichen".

Alten, naiven Vorstellungen zufolge sind Namen und Wesen einer Person miteinander verknüpft - demnach ist die wörtliche Bedeutung des Namens ein unveräußerlicher Teil des jeweiligen Individuums und unter der Devise „nomen est omen“ über den Verlauf des individuellen Schicksals mitentscheidend. Deshalb wurde der Auswahl von Namen für Neugeborene vor Jahrhunderten noch eine weitaus größere Bedeutung zugemessen als heute.

Während germanische Namen noch im 12. Jahrhundert gebräuchlich waren, tauchten im Verlauf des 14. Jahrhunderts die biblischen Vornamen auf.

Während des 17. Jahrhunderts entstanden die Redewendungen "das Kind muss einen Namen haben" oder auch "dem Kind einen Namen geben".

Vornamen im Wandel © iStock, monkeybusinessimages

Zurückzuführen sind sie auf die damals gebräuchlichen, meist langwierigen und schwierigen Verhandlungen zwischen allen Verwandten über den Namen eines Neugeborenen anlässlich der bevorstehenden Taufe.

Dann wurde es zur Regel, dem Kind einen zweiten und dritten Namen zu geben, weil ihm zwei Paten zur Seite standen, die mit einem Namen bedacht werden sollten.

Dazu gesellten sich Namen aus der Heiligen Schrift – in katholisch geprägten Gegenden Deutschlands ist diese Zuordnung bis dato ein Brauch: Auch heute noch werden zweite Vornamen nach den Paten, aber auch nach den Großeltern oder anderen bedeutenden Persönlichkeiten des Familienverbands ausgewählt.

Denn schließlich will man dann "das Kind beim rechten Namen nennen".

Auch diese Redensart ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt - als Hinweis mag ein Zitat aus Goethes "Faust" (I, V. 589) herhalten: "Ja, was man so erkennen heißt. / Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?"

Ursache der Redensart mag ein Spottvers aus „Grimms Deutsches Wörterbuch“, Band 11 sein, der unter Bezug auf eine ungeklärte Vaterschaft oder auch auf eine uneheliche Geburt lautet: "Hätte jedes Kind seinen rechten Namen, so hießest du nicht Peter Götz."

Der Name in alten Zeiten

alte Zeiten

Die Germanen und die Griechen waren lange vorher überaus bemüht, Namen auszusuchen, die etwas besonders Positives bezeichneten, um dem neuen Erdenbürger ein schönes, glänzendes und erfreuliches Schicksal vorherzubestimmen.

In einem Gegensatz dazu bestand die noch wesentlich ältere Sitte, den Neugeborenen ganz besonders furchtbare und ausgesprochen hässliche Namen zu geben, denen apotropäische, also das Unheil abwehrende Kräfte innewohnen. Bis heute sind solche Vornamen auf dem Balkan und in Asien gebräuchlich – auch in Mitteleuropa gibt es noch Spuren dieses Brauchs in diversen Vor- und Familiennamen.

Es gab auch den sogenannten Namenszauber, mit dem Personen über den zugeordneten Namen auf magische Weise beeinflusst werden sollten. In diesen Bereich zählte auch das bewusste Verschweigen des Namens - dem Aberglauben entsprechend verlieren sowohl alle Dämonen als auch der Satan selbst ihre Mächte, wenn es gelingt, ihren Namen zu erraten:

"Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß."

In die Zeiten der Antike fällt auch der Brauch, ganz individuelle geistige und körperliche Eigenschaften sowie besondere Leistungen mit Beinamen zu würdigen. Auf diese Wiederspiegelung der jeweiligen sozialen und politischen Stellung beruht die immer noch gebräuchliche Redensart "sich einen Namen machen".

Die Vornamen heute

So unterlag die Bedeutung der Vornamen im Lauf der Zeit einem stetigen Wandel. Früher waren den Namen bedeutende Einflüsse auf den Verlauf des ganzen Lebens zugeordnet worden und die Vergabe der Namen erfolgte nach bestimmten Regeln. Das erklärt auch die auffällige Häufung alter Vornamen.

Heute ist die Namensgebung eine Geschmackssache der Eltern, die nicht selten auch vom vorherrschenden Mainstream beeinflusst wird. Schon im 19. Jahrhundert hatte man damit begonnen, die Kinder vorherrschenden politischen und kulturellen Einflüssen entsprechend zu benennen. Schon damals war es modern, Vornamen berühmter Mitmenschen auszuwählen – ein Trend, der bis dato andauert.

Andererseits wird heute vielmehr gezielt auf eine vermeintliche Bedeutung bei der Auswahl der Vornamen geachtet. Ganz in uralter Tradition werden Bedeutungen von Vornamen analysiert und die veröffentlichen Deutungen sagen angebliche Schicksalsverläufe und Charaktere vorher. Andererseits werden Fantasienamen ausgewählt oder Markenbezeichnungen und Städtenamen müssen als neue Vornamen herhalten.

Die neuen, manchmal besonders ungewöhnlichen und exotischen Vornamen werden vor ihrer Zuerkennung von den Standesämtern geprüft. Schließlich müssen sie den Vorgaben des deutschen Namensrechts entsprechen.

Schnell wieder in Vergessenheit

Jeder Erwachsene im Alter zwischen 40 und 70 kennt garantiert jemanden, der Gotthilf, Karl, Thomas, Michael, Emma, Ursula, Helga, Sabine oder Stefanie heißt. Wird es in 40 Jahren ähnlich sein mit Namen wie Maximilian, Jan, Hanna oder Leonie? Halten sich diese scheinbaren Modenamen ebenso lang in den Hitlisten und werden von vielen Personen getragen oder geraten sie schnell wieder in Vergessenheit?

Namen - die Wende

Um die Wende des 19./20. Jahrhunderts wurden viele Kinder auf die Namen Anna, Gertrud, Martha sowie Karl, Wilhelm, Walter getauft. Mitte des 20. Jahrhunderts waren Hans, Günter, Thomas sowie Helga, Karin, Renate sehr beleibt. In den 70ern und 80ern belegen Stefanie und Julia sowie Christian und Michael die vorderen Plätze. Und das nicht nur in einzelnen Jahren, sondern meist über Zeiträume von 15 bis 20 Jahren. Seit den 90ern geht der Trend zu folgenden Vornamen: Bei den Jungen sind kurze Namen wie Jan, Lukas oder Leon beliebt, aber auch Alexander und Maximilian belegen bis heute die vorderen Plätze. Mädchen werden gerne Marie, Sophie, Lisa und Anna getauft.

Stellt sich die Frage, ob ein Name, der in den Hitlisten ganz vorne liegt, unbedingt die richtige Wahl ist. Drehen sich auf der Straße fünf Julias um und in der Schule reagiert kein Lukas auf die Frage des Lehrers? Nein, sagen Statistiker. Denn auch die beliebtesten Namen verteilen sich in der Masse der Vornamen so gut, dass es zwar vereinzelt zu Anhäufungen kommen kann, aber nicht zwingend kommen muss. Außerdem ist nicht ausgeschlossen, dass ein Name, den Eltern heute für ausgefallen halten, nicht übermorgen zu den beliebtesten zählt. So geschehen z. B. bei Hanna(h), Lisa, Jan oder Leon.

Laut einer Studie der Technischen Universität Chemnitz, bei der jüngere und ältere Personen ihre Einschätzung zu bestimmten Namen geben sollten, klingen folgende Namen entweder altmodisch, zeitlos oder modern:

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Kommentare

Meinen Namen finde ich auch zeitlos, und ich finde ihn echt gut.
von Johanna
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@Susi

Ich bin ein bisschen spät, aber zu Mona würde Mias doch gut passen.
von Lady Laura
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Hallo, ich habe eine Frage, weiß irgendjemand, was mit "zeitlose Namen" gemeint wird.
von Faith
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Hallo, was passt zum Namen Mona. Sind auf der Suche nach einem Jungennamen.
von Susi
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Hallo, wir suchen einen Namen für unser 3. Kind. Wir haben schon (und bitte verurteilt uns wegen dem 2. nicht) eine Leanne Aremie und einen Felix Cornelius junior.
Wir finden einfach keinen schönen Namen der dazu passt. Es wird übrigens ein Mädchen. Wir haben auch noch keinen zweitnamen. Also schreibt ein paar Namen;) Nachname: Carter
von Felix u. Lynn
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Also ich finde meinen Namen schrecklich weil ich immer auf die Sprachsteuerung 'Siri' angesprochen werde und das nervt einfach
von Siiri
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ich finde den namen savanah zeitlos
von savanah
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Liselotte ist ein schöner Name
von Rosi
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Ich finde meinen namen toll auch wenn viele ihn abkürzen, in welche kategorie kommt Annemarie rein?
von Annemarie
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Ich liebe meinen Namen!
Alle die mich mögen rufen mich "Moni" und das ist auch schön so.
Es wird mir immer wieder gesagt wie gerne man meinen Namen mag weil er so schön klingt!
Ich kann gar nicht verstehen das er in Deutschland so selten geworden ist.
Einfach mal laut vorlesen: "Monika".
Herrlich! ;-)
von Monika
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