Auch wenn Eltern es ungern hören: mit Vornamen wie Kevin, Justin, Dustin oder Jacqueline, Chantal, Mandy tut man seinen Kindern keinen Gefallen. Eine Studie der Uni Oldenburg hat ergeben, dass Grundschullehrer und -lehrerinnen voreingenommen sind, wenn sie bestimmte Namen hören. So kam bei der Online-Befragung von 2000 Lehrern und der genauen Auswertung von 500 Fragebögen heraus, dass Kinder mit den vorgenannten Namen als „verhaltensauffällig“ oder „leistungsschwach“ eingeschätzt werden. Dagegen hält die überwiegende Mehrheit der Befragten Kinder, die Charlotte, Sophie, Marie, Alexander, Maximilian oder Simon heißen für „freundlich“, „leistungsstark“ und „verhaltensunauffällig“.

 

Viele Lehrer wissen sehr wohl, dass sie mit ihrer Einschätzung Vorurteilen nachgeben und sie eigentlich eine größere Distanz zu Vorannahmen in Verbindung mit Vornamen haben sollten – die gemachten Erfahrungen im Umgang mit einigen Schülern scheinen jedoch das Gegenteil zu bewirken. Wer jetzt glaubt, dass solche Studien ein neumodisches Zeugs sind und sich die Forscher mit Vorliebe auf Vornamen aus dem angloamerikanischen und französischen Raum stürzen, der irrt. Untersuchen dazu gab es bereits in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts,  sie wurden regelmäßig wiederholt und bestätigten, dass Eltern aus unterschiedlichen Bildungsschichten auch unterschiedliche Vornamen auswählen. So sind bei Arbeiterfamilien Schauspieler, Film- oder Romanfiguren gern genommen Vorbilder bei der Namensgebung, außerdem wird gerne im Ausland „gewildert“, wenn es um die Vornamensuche geht. Die höheren Schichten wählen dagegen bewusst Namen mit deutscher Tradition oder lassen alte Namen wieder aufleben (z. B. Emma, Paul).

 

Und so wie die PISA-Studie gezeigt hat, dass die soziale Herkunft einen Einfluss darauf hat, wie gut Kinder in der Schule sind, so scheint es auch bei den Vornamen zu sein.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Dass es der eine oder andere Kevin aufs Gymnasium oder bis zum Doktortitel schafft, ist nicht ausgeschlossen. Aber vielleicht hätte er es einfacher mit dem Vornamen Lukas oder Phillip. An dem (satirisch beschriebenen) Phänomen „Kevinismus“  laut Internetportal de.uncyclopedia.org die „krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschliche Namen zu geben“ – ist also, glaubt man den Lehrern, etwas wahres dran.

 

Wer sich selbst von den Ergebnissen ein Bild machen möchte, findet auf der Website der Uni Oldenburg die gesamte Studie. Hier ein paar Ausschnitte:

 

Auf die Frage der Wissenschaftlerin Julia Kube, welchen Vornamen sie ihrem eigenen Kind auf keinen Fall geben würden, antworteten die Grundschullehrer und Grundschullehrerinnen folgendes (sie konnten die Namen frei wählen und mussten sie nicht aus einer Liste aussuchen):

1. Kevin (64,0 %)

2. Jacqueline (37,2 %)

3. Chantal (33,2 %)

4. Justin (30,4 %)

5. Marvin (10,8 %)

6. Mandy (9,2 %)

7. Dennis (9,2 %)

8. Michelle (7,6 %)

9. Pascal (6,8 %)

10. Marcel (6,2 %)

11. Dustin (5,6 %)

12. Leon (5,0 %)

13. Jennifer/Jenny (4,8 %)

14. Steven (3,0 %)

15. Luca (3,0 %)

16. Jessica (2,8 %)

17. Laura (2,8 %)

18. Sandy (2,6 %)

19. Patrick (2,6 %)

20. Jason (2,6 %)

21. Adolf (2,4 %)

22. Sascha (2,0 %)

 

 

Auf die Frage, welche Vornamen bei ihnen Assoziationen zu „verhaltensauffällig“ hervorrufen, antworteten die Grundschullehrer folgendes (sie konnten die Namen frei wählen und mussten sie nicht aus einer Liste aussuchen):

1. Kevin (54,4 %)

2. Justin (21,0 %)

3. Dennis (10,6 %)

4. Marvin (10,0 %)

5. Jacqueline (9,2 %)

6. Chantal (8,6 %)

7. Marcel (8,4 %)

8. Pascal (7,6 %)

9. Maximilian (6,0 %)

10. Leon (5,4 %)

11. Nico (4,6 %)

12. Dustin (4.6 %)

13. Patrick (4,2 %)

14. Phillip (3,8 %)

15. Lukas (3,8 %)

16. Michelle (3,6 %)

17. Luca (3,6 %)

18. Niklas (2,3 %)

19. Alexander (3,2 %)

20. Rene (2,8 %)

21. Celina/Celine (2,6 %)

22. Robin (2,6 %)

23. Steven (2,6 %)

24. Jennifer (2,4 %)

25. Tim (2,2 %)

26. Mark (2,2 %)

27. Maurice (2,2 %)

28. Mandy (2,0 %)

 

Des weiteren sollten die Lehrer und Lehrerinnen aus einer Liste von je 12 weiblichen und männlichen Vornamen die Einschätzung „eher leistungsstark“ bzw. „eher leistungsschwach“ abgeben.

Demnach gelten Kinder mit folgenden Vornamen als leistungsstark:

1. Hannah (82,2 %) / Jakob (75,8 %)

2. Charlotte (80,0 %) / Maximilian (66,6 %)

3. Marie (79,8 %) / Alexander (64,4 %)

4. Sophie (79 %) / Simon (64,6 %)

5. Katharina (78,2 %) / Lukas (54,8 %)

6. Emma (75,0 %) / Leon (44,8 %)

7. Nele (69,8 %)

 

Eher leistungsschwach werden eingeschätzt:

1. Mandy (80,6 %) / Kevin (84,4 %)

2. Chantal (81,4 %) / Justin (79,8 %)

3. Angelina (63,4 %) / Marvin (69,6 %)

4. Celina (51,2 %) / Maurice (54,2 %)

5. Vanessa (47,2 %) / Cedric (46,6 %)

6. Nick (34,8 %)

 

Bei der Frage nach möglichen Verhaltensauffälligkeiten bzw. der Freundlichkeit von Schülern und Schülerinnen kamen die ähnlichen Ergebnisse heraus. Welchen Schluss man als Eltern aus diesen Ergebnissen zieht, muss letztendlich jeder selbst entscheiden.

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Diese Studie ist meiner Meinung nach Schwachsinn.
Und das Lehrer Vornamrn "einstufen" geht garnicht.Das ist Benachteiligung!
Chantal,Kevin und co. sind meiner Meinung nach wunderschöne Namen.
Die Persönlichkeit des Kindes ist wichtig und NICHT eine Kombination von Buchstaben die man "Vorname" nennt!!!!!
Desi | am 20.02.2018 um 15:43 Uhr
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Diese Studie ist mittlerweile stark veraltet und außerdem fand ich sie immer schon sehr fragwürdig: Angeblich gab es in einem einzelnen Fragebogen den Kommentar "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose". Wer als Wissenschaftler über Verantwortungsbewusstsein verfügt, sollte solch einen einzelnen diffamierenden Kommentar nicht mit einem wissenschaftlichen Anstrich versehen an die Presse weiterleiten. Insofern kann ich den differenzierten Kommentar von Kevin vom 7.12.2017 gut verstehen. Man sollte den Link zu der "Studie" am besten löschen.
Andreas | am 19.01.2018 um 17:54 Uhr
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Ich selbst habe in meinem Leben mindestens drei Kevins, zwei Justins, eine Chantal und einen Dennis kennengelernt, die alle negativen damit assoziierten Stereotypen bestätigen. Nachdem ich lange nachgedacht habe, ist mir tatsächlich noch ein Justin ohne Verhaltensauffälligkeiten eingefallen.

Dabei fällt mir ein, dass in der Psychologie ja auch beschrieben wird, dass bestätigte Vorurteile leichter im Gedächtnis bleiben, als Erwartungen, die sich nicht bestätigen. Ich frage mich, ob die wissenschaflichen Autoren dies im Blick gehabt haben. Denn welchen wissenschaftlichen Wert hat eine Studie, die genau das bestätigt, was die Lehrkräfte, die befragt wurden, erwartet haben?

Es ist zwar nicht verkehrt, sich solche Vorurteile ins Gedächtnis zu rufen, aber besser als eine Studie mit fragwürdigem Inhalt (selbst wenn er vielleicht stimmen mag) wäre hier ein Artikel gewesen, der Einzelschicksale der betroffenen Kevins und Chantals dokumentiert.
Simon | am 10.12.2017 um 20:09 Uhr
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(Grundschul-)lehramtsstudenten sind nach meiner Erfahrung und drastisch gesprochen nicht unbedingt mit übermäßiger Intelligenz gesegnet. Ein Abitur und studiert zu haben gibt vielleicht auf dem Papier einen Hinweis auf ein staatlich festgelegtes Bildungsniveau und das man irgendwann für irgendwelche Prüfungen gebüffelt und danach möglicherweise wieder die Hälfte vergessen hat, in der Praxis aber sagt es erfahrungsgemäß rein garnichts über Intelligenz aus. Ich habe genug studentische Bekanntschaften gemacht, um sagen zu können, dass Grundschullehramtsstudenten auffällig wenig breite Allgemeinbildung im vergleich zu anderen Lehramtsstudenten oder Studiengängen besitzen, Globale und interdisziplinäre Zusammenhänge nicht begreifen, häufig nicht in der Lage sind in Diskussionen logisch zu argumentieren und bei argumentativer Unterlegenheit sich selbige nicht einzugestehen. Viele von Ihnen reagieren dann oftmals überemotional und unlogisch, verhalten sich in Ihren Weltanschauungen naiv und sind auf Bildungsebene leider oftmals nur Fachidioten. Solche Menschen begleiten Kinder in einem der wichtigsten Abschnitte ihres Lebens. Will sagen, dass gerade diese, zwar studierten, sich aufgrund ihres (angehenden) Lehrerstatus als besonders intelligent betrachten, aber genau dieses Verhalten und von mir vorgenannte Aspekte leider das Gegenteil aussagen. Bedauerlicherweise konnte ich die von mir genannten Phänomene und Verhaltensweisen auffällig sicher speziell bei Grundschullehramtsstudenten unterschiedlicher Semester beobachten. Wenn ich mich an alle Kontakte, Diskussionen, Offenbarungen erinnere kann ich ziemlich genau sagen, dass sich 10 von etwa 50 nicht wie zuvor beschrieben verhalten und gebärden. Meiner Erfahrung nach ist diese Gruppe nicht unbedingt die, die es sich erlauben kann über Intelligenz urteilen zu dürfen.

Wer allein solch eine "Studie" deren Zielrichtung schon darauf ausgelegt ist, dass das Ergebnis möglicherweise dazu führen könnte, dass Menschen wegen ihres Namens diskreditiert, verhöhnt oder gemobbt werden, sollte sich nicht noch als "Wissenschaftler" bezeichnen. Die Durchführung der Studie mag wissenschaftlich sein, der Inhalt ist es gewiss nicht. Diese Studie damit zu beschönigen, man hätte damit der Gesellschaft einen Dienst erwiesen indem man Diskrimminierung "aufgedeckt" habe, halte ich vor dem Hintergrund, dass jedem Nichtwissenschaftler (möglicherweise mit durschnittlicher Bildung und Intelligenz), der diese Studie interpretiert, primär erstmal suggeriert wird, dass Kevin, Justin, Chantal, Mandy dumm, leistungsschwach, asozial seien. Das dieser Effekt massiv diese konstruierte Nutzensinterpretation überwiegt ist offensichtlich schwer von der Hand zu weisen. Diese Auswirkung kann man vorher absehen oder zumindest abschätzen. Vor allem als "Wissenschaftler".

Ich selbst bin ein Kevin. Ich bin Mitte dreißig und aus den "neuen Bundesländern". Ich komme aus einem Haushalt, den ich selbst der "unteren Mittelschicht" zuordnen würde. Ich war in der Grundschule gut bis sehr gut, habe kaum bis gar nicht lernen müssen und meine Aufmerksamkeit war in erster Linie selten beim Unterrichtsstoff sondern hauptsächlich in meiner Umgebung oder bei den Klassenkammeraden. Damit wäre ich sicherlich nach heutigen Standards auch als "verhaltensauffällig" "klassifiziert" worden. Ich war unterfordert. Besuchte das Gymnasium, war durschnittlich, Unterfordertheit wich der Faulheit und meine Leistungen waren nur noch durschnittlich bis gut. Ich hab die 11 Klasse der Sekundarstufe II wiederholt und neu gewählt. Aufgrund meiner Faulheit und unterschiedlicher unglücklicher kausaler Verkettungen schrammte ich um einen Punkt an der Zulassung zu den Abiturprüfungen vorbei. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung FR Fremdsprachen Englisch/Spanisch erfolgreich absolviert und mein Fachabitur mit "gut" bestanden, habe danach Medieninformatik studiert und nach 3 Semestern aufgrund persönlicher Gründe abgebrochen. Ich bin vor allem medialer und technischer Autodidakt und Tausendsassa und bin deshalb erfolgreich als Webdesigner ins Berufsleben quereingestiegen. Ich bin ein sehr kreativer und wissbegieriger Mensch. Ich bin Skeptiker. Ich hinterfrage. Ich möchte das dahinter, deshalb und daran begreifen und nicht die bloße Definition einer Sache. Zusammenhänge verstehen und ist etwas anderes als "Fakten" lernen und kontextlos wiedergeben. Ich habe viele soziale Kontakte in wirklich allen gesellschaftlichen "Schichten". Ich habe eine Partnerin, die man der "Oberen Mittelschicht" zuordnen würde. Ich habe einen Sohn. Meine Kunden und Freunde sind dankbar für meine Hilfe, mein Engagement und meinen Rat in jeglicher Hinsicht. Ich bin ehrenamtlich engagiert. Ich unterstütze soziale Projekte mit meinem Wissen, meinen Fähigkeiten und Kontakten. Ich habe nicht das Gefühl, dass irgendjemand in meinem sozialen und geschäftlichen Umfeld auch nur ansatzweise auf die Idee käme, meinen Namen mit den entsprechenden Ergebnissen dieser "wissenschaftlichen" Studie zu asoziieren.

Diese Studie führt im Verhältnis zum Maß an Diskrimminierung welches sie im Großteil der Bevölkerung offenkundig schürt zu nichts. Jedenfalls nicht zu einer maßgeblichen, diesen Effekt überdeckenden, für die Gesellschaft hilfreichen Erkenntnis. Eine Studie, ob Menschen sich eher vor menschlichen Exkrementen oder eher vor Urin ekeln wäre ähnlich relevant für die gesellschaftliche Entwicklung.

Ich hoffe auf Verständis für den teilweisen Zynismus der in meinen Aussagen mitschwingt, aber ich komme kaum darüberhinweg, wie man eine derartige Studie als wissenschaftlich verkaufen kann. Die Verantwortlichen sollten überdenken weshalb und wozu sie Wissenschaftler sind. Ihnen sind Legitimationen und Werkzeuge gegeben um sich mit wirklichen Problemstellungen auseinanderzusetzen und ihnen fällt nichts wichtigeres ein, als zu evaluieren ob Namen bestimmte Assoziationen hervorrufen und die Ergebnisse ihres unbedachten Handelns auch noch mit Stolz geschwellter Brust als wissenschaftlich zu präsentieren. Für Derartiges Fallen mir auf die schnelle nur einige Ursachen ein: Langeweile, inividuelle Plan- und Perspektivlosigkeit, ein Weltbild, welches sich auf den alltäglichen Dunstkreis beschränkt und maßlose Selbstsgefälligkeit und -überschätzung. Sehr wahrscheinlich wäre es lehrreich, wenn die verantwortlichen Wissenschaftler selbst einmal in der Situation wären, wegen eines Namens diskrimminiert zu werden, um mit wertvoller Zeit, Geldern und Ressourcen nicht solche belanglosen, schädlichen Zauberlehrlingskinkerlitzchen zu betreiben.

Grüße
Kevin
Kevin | am 07.12.2017 um 19:39 Uhr
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Auch wenn es dem einen oder anderen nicht gefallen mag und es auch nicht in allen Fällen zutreffend ist, so ist es nun mal eine Tatsache, dass Unterschichten ( der Ausdruck ist hier bewusst provokant gewählt) eher zu Namen neigen, mit denen höher gebildete Schichten ein asoziales Verhalten verbinden. Man tut seinem Kind keinen Gefallen mit diesen Namen und sollte sie daher einfach meiden. Kinder aus einem leistungsschwachen Elternhaus werden auch mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Abitur erreichen. Während Kinder aus gehoben Familien, falls nötig solange durch Zusatzunterricht bzw. Nachhilfe gefördert werden, bis die gewünschte Bildung erreicht ist. Also, Kevins sind nicht dümmer als Maximilians, aber zum einen werden sie schon durch die unbedachte Namenswahl sondiert, zudem werden Kinder aus bildungsschwachen Familien kaum gefördert. So kommt es schnell zu diesen Vorurteilen bzw. Urteilen.
Schnuck | am 20.11.2017 um 15:38 Uhr
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