Alexa, verschwinde: Stirbt dieser Name aus?

Alexa, Siri, Cortana, Bixby – der Trend zu menschlich klingenden Markennamen für intelligente Technologien hält an. Für die Hersteller hat das Vorteile. Für namenssuchende Eltern nicht.

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Amazon und Apple haben mit Alexa und Siri Standards gesetzt, andere Konzerne ziehen nach. Egal ob Watson, Bixby oder Cortana – die Strategie ist dabei immer gleich: Menschlich klingende Namen für künstliche Intelligenz. Woher kommt der Trend zur Benennung dieser neuen Technologien? Alles nur Zufall?

Nein. Sprachassistenten, Chatbots oder Roboter sollen im ständigen Dialog fast so etwas wie den Status eines guten Freundes oder eines Familienmitgliedes entwickeln. Und Namen wie Alexa oder Siri helfen dabei. Sie klingen niedlich, bauen Berührungsängste ab und Vertrauen auf.

Der Plan geht auf. Denn Alexa oder Siri zum Beispiel sind mittlerweile in aller Munde und erobern nach und nach immer mehr Haushalte. Nur leider möchten mit zunehmender Verbreitung dieser Technologien immer weniger Eltern ihre Kinder mit einem dieser Vornamen benennen.

Am deutlichsten zu erkennen ist dies am Beispiel von Amazons Assistenzsystem Alexa. Laut Herstellerangaben soll der Name eigentlich an die legendäre Bibliothek von Alexandria erinnern. Er ist aber auch identisch mit einem Jahrtausende alten weiblichen Vornamen. Der bei werdenden Eltern auch immer recht angesagt war. Seit Markteinführung ihrer digitalen Namensvetterin im Jahre 2016 wird Alexa als Vorname nun aber immer unbeliebter.

Der US-Soziologe Philipp Cohen hat herausgefunden, dass sich die Popularität des Namens allein in den USA nahezu halbiert hat. Wurden dort 2015 noch 6050 Babys Alexa genannt, waren es zwei Jahre später nur noch 3883. Liegt da nicht der Zusammenhang mit der smarten Technologie praktisch auf der Hand? Cohen geht gar noch einen Schritt weiter. Alexa sei als menschlicher Vorname sogar gänzlich erledigt, schreibt er in seinem Blog. Wer möchte sein Kind schon nach einer überpräsenten Software benennen?

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich auch bei Apples Assistenzsystem – in abgeschwächter Form. Siri ist als Kurzform von Sigrid ebenfalls als Vorname verbreitet, allerdings lange nicht so häufig: Im Jahre 2009 gaben in den USA 120 Eltern ihrer Tochter diesen Namen. Zwei Jahre später führte Apple sein gleichnamiges Assistenzsystem ein. Die Folge: Siri wurde als Vorname immer unbeliebter. Im letzten Jahre wurden nur noch 20 Kinder unter diesem Namen registriert.

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Sind Amazon und Apple Schuld daran? Haben diese Konzerne leichtfertig das Aussterben der menschlichen Vornamen Alexa und Siri verursacht? Hätten sie nicht mit derartigen Auswirkungen rechnen müssen? Nicht unbedingt. Denn die Popularität bestimmer Vornamen leidet nicht notwendigerweise darunter, wenn sie zur Bezeichnung von Software verwendet werden. Das macht ein anderer US-Trend deutlich: Dort benennen nämlich beunruhigend viele Eltern ihre Kinder nach Instagram-Filtern. Die Vornamen Lux, Juno, Reyes, Ludwig und Willow haben massiv an Beliebtheit gewonnen.

Über die tatsächlichen Gründe für den Popularitätsschwund von Alexa oder Siri kann also nur spekuliert werden. Vielleicht wollen Eltern ihren Kinder den Hohn und Spott der Mitschüler ersparen. Oder sie wollen ihrem Kind ganz einfach nicht den Namen einer Sprachsoftware geben, die derzeit allgegenwärtig und in aller Munde ist. Endet dieser Hype oder haben die Folgetechnologien andere Namen, können Alexa, Siri & Co. sehr schnell wieder zu ernsthaften Alternativen namenssuchender Eltern werden.

Denn auch Vornamen unterliegen selbstverständlich aktuellen Einflüssen. Modetrends spielen dabei eine ebensogroße Rolle wie politische Ereignisse. In den USA zeigt die Popularitätskurve zum Beispiel nicht nur bei Alexa und Siri nach unten. Auch andere ehemals beliebte Namen verlieren an Zuspruch. Donald beispielsweise, der Name des aktuellen US-Präsidenten, wird derzeit kaum noch an Neugeborene vergeben. Aber wer weiß, wie lange diese Flaute anhält?

Und in Deutschland? Hier lag Alexa im Jahre 2015 auf Platz 225 in der Vornamen-Hitliste. Zwei Jahre später reichte es nur noch für Platz 287.

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