Eltern - Deutschlands grösstes Familien-Netzwerk
Menü
Angebot von vorname.com wird Ihnen präsentiert von eltern.de
Eltern  Familien-Netzwerk Familien-Netzwerk

Warum wir Gegenständen einen Vornamen geben

Viele Menschen neigen dazu, nicht nur ihren Babys Namen zu geben, sondern auch ganz profanen Alltagsgegenständen. Merkwürdig? Keinesfalls, sagen Psychologen. Vielmehr gibt es gute Gründe, Dinge beim Namen zu nennen.

Klar, Promis sind ein wenig sonderbar. Normal sein ist nicht drin in der Branche. Im Gegenteil: Auffallen ist die Devise. Deshalb verwundert es auch niemanden, wenn die Stars und Sternchen öffentlich Gegenstände mit menschlichen Vornamen anreden, als seien es geschätzte Familienmitglieder. Heidi Klum zum Beispiel nennt ihre Brüste Hans und Franz. Und Formel-1-Pilot Sebastian Vettel gibt seinem Arbeitsgerät jedes Jahr einen neuen Namen - etwa Julie, Luscious Liz, Eva oder Loria.

Ausgerechnet diese extravagant anmutende Verhaltensweise ist allerdings ziemlich normal. Denn auch Menschen abseits der roten Teppiche dieser Welt neigen dazu, Gegenständen einen Vornamen zu geben - egal ob es sich um Autos, Körperteile, Musikinstrumente, Fahrräder, Kameras, Saugroboter oder Rasenmäher handelt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Warum nur ist das so? Spielt ein kindliches Gemüt hier eine Rolle oder bizarre individuelle Eigenarten? Nein keinesfalls, sind sich Psychologen sicher. Vielmehr sei dieses Verhalten ein Nebenprodukt unserer sozialen Intelligenz, das sich quasi fest in unserer DNA verankert hat.

Das verdeutlicht ein Blick in die Geschichtsbücher. Schon die alten Griechen gaben ihren Schiffen Namen. Dadurch festigte sich die emotionale Bindung. Das Gefährt wurde zum Gefährten. Heute betrachteten viele Menschen zum Beispiel ihr Auto nicht einfach als schnödes Transportmittel, sondern fast schon als guten Freund. Auch Haushaltgeräten, Büromaterial oder Zimmerpflanzen geben wir Vornamen - vor allem, wenn sie unseren Alltag über einen längeren Zeitraum begleiten. Aus Gegenständen werden so treue Begleiter. 

Darauf sind wir auch heute noch programmiert. Mit teils unbeabsichtigten Folgen. So neigen wir bisweilen dazu, auch leblosen Objekten menschliche Züge zuzuschreiben - selbst wenn sie naturgemäß gar keine Augen, Nasen oder Münder haben. Wie zum Beispiel Autos. Das macht Gegenstände ein Stückchen menschlicher. Die Vergabe von Namen vermittelt dann fast so etwas wie ein persönliches Verhältnis. Und um gute Bekannte kümmert man sich eben besser. Die emotionale Bindung festigt sich.

Auch Firmen machen sich das übrigens zu Nutze. Die Namen ihrer Marken und Produkte sollen beim Verbraucher bestimmte Assoziationen und Emotionen wecken sowie Eigenschaften und Werte vermitteln, mit denen sich der Kunde identifiziert. Anhand eines Namens kann der Kunde Produkte oder Marken zudem schnell wiedererkennen. Das schafft zusätzliche Orientierung und Sicherheit.

Davon abgesehen übernimmt die Vermenschlichung von Gegenständen auch eine soziale Funktion. Gerade einsame Menschen können dazu neigen, Gegenständen Namen zu geben. Ganz einfach, um ihrer Einsamkeit ein Stückchen zu entfliehen. So wird zum Beispiel für manche das Auto zum besten Freund. Andere sprechen mit ihren Pflanzen oder behandeln technische Geräte, als hätten sie eine Seele. Natürlich, nicht jeder, der etwa seinem Auto einen Namen gibt, ist ein einsamer Mensch. Doch es besteht sehr wohl eine Korrelation zwischen Einsamkeit und einer verstärkten Vermenschlichung von Gegenständen.

Ein besonders gutes Beispiel für dieses menschliche Verhalten liefert uns Hollywood: In "Cast Away" kann sich Tom Hanks nach einem Flugzeugabsturz auf eine einsame Insel retten. Sein einziger Gesprächspartner wird ein angespühlter Volleyball -  Wilson. Diese Ersatzfreundschaft trägt am Ende zu einem kleinen Teil auch zur Rettung bei. Wir erinnern uns.

Es gibt also verschiedene Motive für den Vermenschlichungsautomatismus. Geistige Umnachtung oder ein kindliches Gemüt gehören nicht dazu. Im Gegenteil.