Warum brasilianische Fußballer Vornamen benutzen

Neymar, Fernandinho, Casemiro oder Tite: Brasiliens Fußballer kennen viele Menschen auf der ganzen Welt. Aber selbst eingefleischte Fans wissen nicht, wie sie mit vollständigem Namen heißen. Warum ist das eigentlich so?

Wenn es um Brasilien geht, denkt jeder gleich an Sommer, Samba, Karneval. Und - natürlich - an Fußball. Spätestens alle vier Jahre schieben sich die Ballkünstler vom Zuckerhut wieder in den Fokus einer weltweiten Öffentlichkeit. Das liegt zum einen natürlich an ihrem meist erfolg- und trickreichem Spiel. Zum Teil aber auch an den auffälligen Namen, die auf den Rücken ihrer Trickots abgedruckt sind.

Erstaunlich dabei ist, dass der weltweiten Aufmerksamkeit kaum jemand die vollständigen Namen der Stars nennen kann. Denn Neymar, Pele, Ronaldo oder Socrates haben eines gemeinsam: Sie sind ausschließlich unter ihren Vor- oder Spitznamen bekannt. Der schnöde Nachname auf dem Trikot? Undenkbar für Brasiliens Ballkünstler.

Dabei ist der Gebrauch von Vor- oder Spitznamen keinesfalls nur eine zickige Eigenart der Fußballer. Im Gegenteil: Er ist fest verankert in der brasilianischen Kultur. Auch andere Sportler, Schauspieler, Popstars oder Politiker zum Beispiel sind in aller Regel unter ihrem Vornamen bekannt. Genau wie eigentlich alle anderen Bürger des Landes auch. Dem Nachnamen kommt dagegen im Vergleich zu Europa eine ungleich geringere Bedeutung zu. Er wird einfach durch den Vornamen ersetzt.

Der Grund dafür ist simpel: Die Anzahl der Nachnamen ist einfach begrenzt. Es gibt nicht so viele. Dadurch wird die Zahl der Menschen mit gleichem Familiennamen anteilig sehr viel höher als hier. Die Folge: Anhand des Nachnamens lassen sich die Bürger des Landes kaum unterscheiden.

Brasilianer lösen dieses Identifikationsproblem, indem sie sich kurzerhand nur mit Spitz- oder Vornamen ansprechen - denen deshalb eine vergleichsweise große Bedeutung zukommt. In Folge dessen lassen sich Brasilianer bei der Namensgebung allerhand einfallen. Welcher Elternteil möchte nicht einen möglichst einzigartigen Vornamen für sein Kind?

Dabei kommt ihnen entgegen, dass in Brasilien jedes Wort, das schon einmal gedruckt worden ist, als Vorname verwendet werden darf. Zudem ist die Namensgebung nicht so strengen Regeln unterworfen ist wie in Deutschland. Erlaubt ist, was Spaß macht, könnte man fast sagen. Die schier grenzenlose Kreativität führt zu immer neuen Einfällen.

Die Folge: Eine unglaubliche Vielzahl an unterschiedlichen Namen. Beispiele gefällig? Ronaldo Luís Nazário de Lima oder Neymar da Silva Santos Júnior. Besser bekannt als Ronaldo und Neymar.

Beliebte Vornamen in Brasilien

Trotzdem sind natürlich auch bestimmte Vornamen populärer als andere. Da Portugiesisch die Amtssprache ist, haben viele der beliebten brasilianischen Vornamen eine portugiesische Herkunft haben. Daneben sind allerdings auch Sprachen der indianischen Ureinwohner verbreitet, wie Tupi, Makú, Gês oder Guarani. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Brasilianische Vornamen sind daher oftmals katholisch geprägt und gehen zu großen Teilen auf biblische beziehungsweise Heiligennamen zurück.

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