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Von sons und dottirs: Namensgebung in Island

Die isländische Nationmannschaft zählt zu den Lieblingen der Fußball-WM in Russland . Fast jeder liebt die unerschrockenen Nordmänner mitsamt ihren Fans. Kein Wunder. Denn sie sind sympathisch, voller Teamgeist - und mit beinahe magischen Namen gesegnet.

Island ist in aller Munde. Wieder einmal. Denn genau wie bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren ist die isländische Fußball-Nationalmannschaft auch bei der WM in Russland ein absoluter Sympathieträger. Das hat natürlich mit dem sportlichen Erfolg der unerschrockenen Nordmänner zu tun. Aber auch mit dem sympathischen Auftritt ihrer Anhänger. Mittlerweile kennt wohl jeder das mit rhythmischem Klatschen inszenierte "Huh" des Wikinger-Fanblocks.

Und auch die ungewöhnlichen Namen der Kicker versprühen noch immer eine fast magische Magie. Island ist eben anders. Die abgeschiedene Lage des Landes der Vulkane und Geysire hat dafür gesorgt, dass hier Traditionen und Bräuche noch gelebt werden, die auf dem europäischen Festland längst verschwunden sind. So sind Sagen und übernatürliche Wesen fester Bestandteil der Kultur. Laut verschiedenen Umfragen glaubt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung an die Existenz von Elfen und Trollen. Das führt sogar so weit, dass Bauvorhaben gestoppt oder abgeändert werden, wenn dadurch deren Wohnstätten - Felsen und große Gesteinsformationen - zerstört werden.

Auch die Namensgebung kennt recht unauslöschliche Traditionen und funktioniert anders als in Resteuropa. Isländisch ist, neben dem Färöischen, die einzige europäische Sprache, in der es fast keine Familiennamen gibt. Der isländische Nachname ist eher als eine Art Beschreibung der Abstammung zu verstehen und bildet sich nach nordgermanischer Überlieferung in der Regel aus dem Vornamen des Vaters und dem Anhängsel "-son" (=Sohn, für Jungen) oder "-dottir" (=Tochter, für Mädchen). Heißt der Vater Ragnar, dann heißt der Sohn Ragnarsson mit Nachnamen und die Tochter Ragnarsdóttir. In einer vierköpfigen Familie mit einem Sohn und einer Tochter haben damit alle Personen unterschiedliche Nachnamen, da auch die Eltern jeweils die Namen ihrer Väter tragen. Für ordnungsliebende Ohren klingt das eher kompliziert.

Das sind die häufigsten Vornamen in Island

Auswirkungen im Alltag

Der Verzicht auf Familiennamen ist in einer Gemeinschaft von gut 330.000 Einwohnern allerdings praktikabel. Man kennt sich eben und ist, zumindest über fünf Ecken, höchstwahrscheinlich sowieso miteinander verwandt. Ein Isländer stellt sich deswegen auch grundsätzlich mit Vornamen vor, auch in Situationen, in denen in Deutschland das distanzierende "Sie" zwingend wäre. Personenverzeichnisse werden nach dieser Logik ebenfalls strikt nach Vornamen geordnet. So hat beispielsweise das Telefonbuch spaltenweise Sigurdurs, Skadis und Guðrúns. Erst danach kommt der Vatersname mit der Endung "-son" und "-dóttir". Zur Unterscheidung werden außerdem oft der Beruf oder ein zweiter Vorname hinzugefügt.

Vornamen sind auf der Insel also besonders wichtig und viele Isländer sind stolz auf deren Bedeutung. Beliebt sind vor allem Namen, die von Göttern oder aus der altnordischen Sagenwelt abgeleitet werden. Deshalb ähneln sie etwa den schwedischen oder norwegischen Vornamen, werden allerdings oft anders geschrieben. Das Isländische hat sich seine ursprüngliche Art nämlich in großen Teilen bewahrt und fremden Spracheinflüssen nur gering angepasst. Anglizismen fehlen in der Sprache nahezu komplett. Entsprechend sind alte Namen relativ häufig – moderne englische Vornamen dagegen eher selten. In Island ist eben vieles ein wenig anders.

Eigenes Gesetz für die Vornamen der Einwohner

Die isländische Regierung hat dafür gesorgt, dass dies auch so bleibt. Seit 1996 gibt es ein Namensgesetz. Wenn der gewünschte Name nicht im offiziellen Register aufgeführt oder bereits aus der isländischen Geschichte bekannt ist, sind Eltern von der Entscheidung staatlicher Stellen abhängig. Ein eigenes dafür gegründetes Komitee überprüft die Namensgebung und greift ein, sobald ein Vorname nicht den Richtlinien entspricht. Akzeptierte Namen haben eine festgelegte Aussprache und entsprechen der isländischen Grammatik. Namen also, die ein C, W oder Z enthalten oder sich nicht korrekt durchdeklinieren lassen, werden abgelehnt. Kinder sollen auf diese Weise davor bewahrt werden, zum Gespött zu werden.

So kommt es, dass die zwei Jahre alte Tochter von Rut Helgadottir und Johann Ögri Elvarsson noch immer keinen Vornamen hat. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, sollte das kleine Mädchen eigentlich Zoe heißen. Das aber lehnten die strengen Namenshüter ab. Sie stützten sich dabei auf die geltenden Richtlinien. In offiziellen Dokumenten hat die Kleine nun eben den Namen Stúlka. Das ist isländisch für "Mädchen". Denn so ganz ohne Namen kann selbst auf der eigenwilligen Insel keiner bleiben. Rund 200 Personen tragen deshalb die Namen Stúlka oder Drengur (="Junge"). Darunter sind Kinder, deren Eltern sich bisher noch nicht auf einen Namen einigen konnten. Aber auch Personen, deren Namen in Island nicht erlaubt sind. Hiesigen Bürokraten stehen bei diesen Zuständen vermutlich längst die Haare zu Berge. Andernorts ist das aber durchaus normal. Island ist eben anders.

Wie lange sich der Inselstaat aus dem Nordatlantik diese kleine Extravaganz in Sachen Namensgebung allerdings noch leisten wird können, ist nicht abschließend entschieden. Denn seit Jahren wird dort bereits um eine Modernisierung der Sprachschutz-Gesetzgebung von 1996 diskutiert und gestritten. Bisher jedoch ohne Resultat. Manchmal ist Island dann eben doch nicht so anders.

Quelle: www.statice.is

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@Hubi:
Das kommt drauf an, wie der Vater heißt. Wenn der Vater Gunnar Einarsson heißt, heißen die Kinder "Gunnarsson" und "Gunnarsdóttir".
Sind sie modern und nennen sich nach der Mutter (machen wenn nur Mädels), würde die kleine Elín mit Nachnamen "Anniesdóttir" heißen - falls Annie in Island überhaupt erlaubt ist.
Die Nachnamen verfallen sozusagen nach einer Generation. Es geht immer nur um den Vornamen der Eltern. Wenn der unten genannte Bjarni Gunnarsson einen Sohn Einar bekommt, hieße er Einar Bjarnisson, wenn es im Bekanntenkreis schon einen gibt, Einar Bjarnisson Gunnarsson. Wie die Eltern mit Nachnamen heißen spielt nur dann eine Rolle, wenn es eine gleichnamige Person im Bekanntenkreis gibt, dann wird der Name vom Großvater väterlicherseits zur Unterscheidung angehängt, sodass das Kind 2 Nachnamen hat.
Gast | am 01.06.2018 um 22:01 Uhr
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Wie würden denn Sohn und Tochter von Annie Thorisdóttir heissen, daraus wird ja dann kaum ein Thorisdóttirson bzw. eine Thorisdóttirdóttir?
Hubi | am 17.05.2018 um 19:40 Uhr
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@Michael:
Ja. Wenn Gunnar und Elísabet die Kinder Bjarni, Jón und Sigrún hat, heißen die Bjarni Gunnarsson, Jón Gunnarsson und Sigrún Gunnarsdóttir. In seltenen Fällen würde sich Sigrún auch Elísabetsdóttir nennen (ist aber eher die Ausnahme).
Im Telefonbuch sind die Nummern auch nach Vornamen sortiert, nicht nach Nachname.
Gast | am 29.03.2018 um 11:57 Uhr
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was passiert eigentlich, wenn gunnar zwei oder drei söhne hat ? heißen dann alle drei gleich - gunnarson ? gilt auch für töchter natürlich heissen dann alle gunnarsdottir ?
michael | am 29.10.2017 um 17:51 Uhr
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So ungewöhnlich ist es nicht, dass in einer Familie nicht alle den gleichen Familiennamen haben. Island ist, wenn es Tochter und Sohn in der Familie gibt, mit vier verschiedenen Nachnamen die Spitze. Aber im Spanischen gibt es auch in jeder Familie drei verschiedene Nachnamen. Jedes Familienmitglied hat zwei Nachnamen. Diese setzen sich so zusammen: Der erste Familienname ist der erste Familienname des Vaters und der zweite Familienname ist der erste Familienname der Mutter. Bei der Heirat bleibt den Eltern jeweils der Familienname erhalten und die Kinder haben einen "neuen" Familienname, der jedoch bei allen den gleich ist.
Opa Hellmut | am 20.10.2017 um 16:20 Uhr
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